hansen & munk – der Kultur-Blog stellt sich vor

„Ihr habt das Recht, gesittet pfui zu sagen.“

Genau diesem, von Goethe seinem Mephisto zugeschriebenen Grundsatz folgt „hansen & munk – der kultur.blog für kiel und mehr“. Denn „gesittet pfui“ heißt hier Journalismus mit der Betonung auf „gesittet“, also Meinungsfreude, Gedankenschärfe, Erfahrung, Begeisterung und Fairness.

Aktuelle Artikel

Argans Hosenklappe und Sigmund Freuds Couch
Erinnerungsstücke an eine spätsommerliche Kulturreise nach Wien – Teil 2
Wien/Kiel | 26.9.2016 | von Christoph Munk: Wien und der Wein mögen noch so schön sein und die Donau so blau, so blau. Einen Kulturblogger wie mich locken eher kulturelle Schmankerln in die Hauptstadt Österreichs. Diesmal erinnere ich mich zum Beispiel an ein Molière-Aufführung im Burgtheater und einen Besuch im Museum für Sigmund Freud. Weiterlesen →

Das Happy End der Ängste
Comedian Paul Panzer kam mit seiner „Invasion der Verrückten“ in die Sparkassen-Arena
Kiel | 26.9.2016 | von Jörg Meyer: Mit einem herzlichen „Hier ist einer von euch!“ stiefelt Paul Panzer auf die Bühne der Sparkassen-Arena und rückt so gleich den Titel seines aktuellen Programms „Invasion der Verrückten“ zurecht. Keine Invasion von irgendwelchen Außerirdischen, nein wir selbst sind die Verrückten, welche die Welt und unsere biederen Kleingärten bevölkern, denn „wir haben alle einen Dachschaden“. Weiterlesen →

Spokenwords auf der Leinwand
Wolf Hogekamp zeigte im Koki Poetry Clips
Kiel | 26.9.2016 | von Jörg Meyer: Beim Spokenwords.sh Festival zeigte Wolf Hogekamp im Koki anhand von zahlreichen Beispielen, wie sich das neue Format Poetry Clips, das dem von Musik Clips in manchem ähnelt, entwickelt hat und welche vielfältigen filmischen Möglichkeiten der Visualisierung von Spokenwords es gibt. Weiterlesen →

Eine zarte Liebe zerbricht in einer Schreckensnacht
Giacomo Meyerbeers monumentale Rarität „Die Hugenotten“ zur Saisoneröffnung der Kieler Oper
Kiel | 25.9.2016 | von Christoph Munk:
Angesichts der Gotteskrieger, die derzeit weltweit für Terror sorgen, könnte Giacomo Meyerbeers Grand Opéra „Die Hugenotten“ auch aktuell gedeutet werden. Lukas Hemlebs Inszenierung zum Saisonauftakt im Kieler Opernhaus erzählt die Geschichte jedoch aus historischer Distanz. Weiterlesen →

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Argans Hosenklappe und Sigmund Freuds Couch

Erinnerungsstücke von einer spätsommerlichen Kulturreise nach Wien –
Teil 2

Von Christoph Munk

Wien, Wien, nur Du allein … Nein, es sind nicht die Lieder, die mich immer wieder in die Donaumetropole treiben. Es sind auch nicht die Schnitzel, nicht der Heurige, also auch nicht der Wein und nicht der Schmäh. Es ist eher die Weltläufigkeit im Gewande der gemütlichen Provinzstadt – wenn ich mal den Trubel des Ersten Bezirks hinter mir gelassen habe. Und es ist vor allem die kulturelle Vielfalt auf höchstem Niveau, die speziell meine närrische Vorliebe fürs gute Theater befriedigt.

In Beethovens kleiner Wohnung wird an das „Heiligenstädter Testament" erinnert. (Foto Wien Museum)

In Beethovens einstiger kleiner Wohnung wird an das ergreifende  „Heiligenstädter Testament“ erinnert. (Foto: Wien Museum)

Allerdings: Ein Besuch auf dem Kahlenberg muss immer sein. Vorbei an der Sulzwiese, wo Thomas Bernhard in einem Dramolett Claus Peymann und seinen Dramaturgen Hermann Beil eine Jause nehmen ließ. Und dann zu Fuß hinab durch die Weinberge, entweder nach Grinzing zu den Weinschenken oder rüber nach Heiligenstadt, wo ich in einem kleinen Museum, ehemals eine von Beethovens zahlreichen Wohnungen, über das ergreifende „Heiligenstädter Testament“ sinnieren konnte und wo eine kurze Gasse an den großen Bassbariton Walter Berry erinnert. Sein Ehrengrab liegt auf dem nahen Friedhof. Dort findet sich auch eine Grabstelle für den Dichter Ödön von Horvath.

Dafür jedoch fahren wir nicht extra nach Wien, sondern nehmen es auf einem Tagesauflug mit, bevor am Abend Theater lockt. Damit wird man in der Kulturmetropole schon ab Anfang September reichlich bedient: Staatsoper, Burgtheater, Theater in der Josefstadt oder mehr. Uns interessiert Joachim Meyerhoff, der uns irgendwie vertraut vorkommt, weil wir seine Bücher gelesen haben, in denen er von Kindheit und Jugend als Arztsohn in den Schleswiger Anstalten berichtet. Und natürlich auch, weil sein Arnolphe in der von Herbert Fritsch in Hamburg rasant inszenierten Molière-Komödie „Schule der Frauen“ so fulminant in Erinnerung ist. Nun also ins Burgtheater: „Der eingebildete Kranke“. Wieder Molière, wieder Meyerhoff und wieder Herbert Fritsch als Regisseur.

Alles springt, alles zappelt: Joachim Meyerhof als Argan (links) und Markus Meyer als Toilette in „Der eingebildete Kranke". (Foto Georg Soulek/Burgtheater)

Alles springt, alles zappelt: Joachim Meyerhof als Argan (links) und Markus Meyer als Toinette in Molières „Der eingebildete Kranke“. (Foto: Georg Soulek/Burgtheater)

„So ein Dreck!“, granteln zwei durchaus noch fesche bürgerliche Damen schon in der Pause. Und wollen ihre Empörung zunächst mit einem Glaserl Wein wegspülen. „Man muss sich ja vor unseren ausländischen Gästen schämen“, schnaufen sie am Stehtisch nebenan. „Und das soll die führende deutschsprachige Bühne sein?“ Hinter dieser rein rhetorischen Frage steht eine so klare Antwort, dass es ausgeschlossen erscheint, mit ihnen angesichts unserer Begeisterung in ein kontroverses Gespräch zu kommen. Ob sie beim Wein geblieben sind oder doch wieder in den Saal gefunden haben? Wir haben sie nicht mehr gesichtet. Und die Reihen und Ränge lichten sich weiter, als nach der Pause Fritsch und Meyerhoff richtig loslegen.

Denn jetzt lässt der Schauspieler die Hosenklappe runter und zeigt den Leuten, was darunter liegt und was den eingebildeten Kranken wirklich umtreibt: die (eingebildete) Krankheit und der Wunsch nach vermeintlicher Heilung. Das führt Meyerhoff als Passion vor, als Besessenheit und als Ich-Sucht. In seiner Familie taugt es ihm als Mittel zur Machtausübung. Und ihr klägliches Scheitern verkündet Meyerhoffs Körpersprache mit drastischer Deutlichkeit. Hat er vorher, wie fast alle Figuren in fast allen Fritsch-Inszenierungen, den Raum mit zuckenden Bewegungen durchmessen, als sei er angestochen oder sogar elektrisiert, drückt sein Argan jetzt nur noch – spinnenbeinig auf allen Vieren herumstaksend – eine einzige Drangsal aus: die rasende Sucht nach einem Einlauf als einzige, als letzte Rettung aus der Not, weil ihm sonst seine Stärke und damit seine Identität flöten geht: Ich leide, also bin ich!

Hübsch und gefällig ist das nicht. Aber mit allen fantastisch präzis und funkelnd agierenden Schauspielern eine bittere Komödie von prickelnder, stacheliger Lustigkeit. Hier wird mit unnachgiebiger Schärfe diagnostiziert, dass Argans Krankheit im Kopf steckt. Schön ist das nicht, in diesen Spiegel zu blicken.

Eher ein stiller Wallfahrtsort: Das Sigmund Freud-Museum im 9. Wiener Bezirk. (Foto Munk)

Eher ein stiller Wallfahrtsort: Das Sigmund Freud-Museum im 9. Wiener Bezirk. (Foto: Munk)

Sicherlich hätte Dr. Sigmund Freud helfen können. Seit vielen Jahren ehren die Wiener ihn, den sie 1938 ins Exil nach London vertrieben hatten, mit einem Museum. Vom Burgtheater aus kann man, schräg über den Ring, an der Universität vorbei, über einem kleinen, nach ihm benannten Park und durch ein paar Gassen bequem dorthin spazieren. Freuds ehemalige Wohnung in der Berggasse bietet keinen Platz für eine pompöse Gedenkstätte. Das Haus in der ruhigen Straße gleicht eher einem stillen Wallfahrtsort, vor dem keine Touristenbusse parken, sondern eher kundige Anhänger Einlass suchen. Mein Interesse war durch die Lektüre von Robert Seethalers Roman „Der Trafikant“ geweckt. Sein Schauplatz befindet sich genau dort, und sein Protagonist findet in Freud seine Bezugsperson und erlebt mit dem Einzug von Hitlers Schergen die Flucht des Psychoanalytikers.

Immerhin finden jährlich rund 90.000 Besucher – meist aus dem Ausland – den Weg dorthin in die seit 1971 für die Öffentlichkeit zugängliche ehemalige Freudsche Wohnung. Aber die Zukunft der Gedenkstätte, so meldet aktuell die Wiener Presse, ist gefährdet. „Wir sind ja in Wirklichkeit kein Museum, sondern eine 280-Quadratmeter-Wohnung.“ So zitiert die Tageszeitung „Der Standard“ den Vorsitzende der Trägerstiftung, Franz Jurkowitsch. Also wurde ein Sanierungskonzept erarbeitet, um bis 2020 das Haus vom Keller bis zum Dach zu erneuern und umfassend zugänglich zu machen. Doch im Finanzierungsplan fehlt es an der Zusage aus dem nahegelegenen Wiener Rathaus. Vielleicht könnte den Entscheidern dort eine Lektion auf Freuds legendärer Couch dienlich sein. Doch die nahm der Professor mit ins Exil. Seitdem steht sie in London.

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Das Happy End der Ängste

Comedian Paul Panzer kam mit seiner „Invasion der Verrückten“ in die Sparkassen-Arena

Von Jörg Meyer

Kiel. Mit einem herzlichen „Hier ist einer von euch!“ stiefelt Paul Panzer auf die Bühne der Sparkassen-Arena und rückt so gleich den Titel seines aktuellen Programms „Invasion der Verrückten“ zurecht. Keine Invasion von irgendwelchen Außerirdischen, nein wir selbst sind die Verrückten, welche die Welt und unsere biederen Kleingärten bevölkern, denn „wir haben alle einen Dachschaden“.

Paul Panzer sucht nach den Aliens der Ängste (Foto: Pressefoto)

Paul Panzer verfolgt die Aliens namens Ängste (Foto: Pressefoto)

Und der ist durchaus sympathisch – wie der „kleine Mann“ mit Blümchenhemd und kultiviertem „Sprechzfehler“, der in den folgenden zwei Stunden plus Zugabe all die Tassen aufzählt, die wir nicht mehr im Schrank haben. Namentlich unsere Ängste, die zuweilen seltsamste Urständ feiern. Pauls Frau Hilde zum Beispiel leidet unter Arachnophobie, der Angst vor Spinnen, und pfeift daher immer laut, wenn sie in den spinnverwebten Keller geht. „Denn Spinnen erschrecken bekanntlich vor Pfeifen“, wie Paul solche „Konfrontationstherapie“ sogleich als unzureichend demontiert. Aber im Prinzip habe Hilde schon Recht: „Wir müssen uns unseren Ängsten stellen“, weiß er und wird dabei geradezu psychoanalytisch – oder auch küchenphilosophisch. Wir müssten unsere Ängste als Teil von uns selbst akzeptieren, lautet die durchaus ernst gemeinte Botschaft des Beobachters eines Alltags, in dem „jeder Siebte an ’Depretzion’ leidet“.

Die Angst vor Enten und dem Ende

Und da ist er wieder, der komödiantische Trick, mit dem Panzer auch ernsthafte Gesellschaftsanalyse komisch erscheinen lässt: sein gespieltes Lispeln bei fach-chinesischen Begriffen wie „Ataraxie“. Solche „Seelenruhe“, wie sie die Stoiker als Tugend lehrten und auch Gattin Hilde pflegt, wenn sie manches Ungeschick mit einem schlichten „Tja …“ quittiert, bringt Paul zur witzelnden Weißglut. Genauso der alltägliche Wahnsinn von Mülltrennung in verschiedenfarbige Tonnen, die sich keiner merken kann, buchstäblich geschmacklose Convenience-Produkte wie „Fro(t)zen Joghurt“ oder „Rosamunde Pichler“-Verfilmungen, wo immer „ein Paar an einer irischen Steilküste steht und in den Abgrund starrt“. Denn neben exotischen Ängsten wie Anatidaephobie, „der Angst, von Enten angeschaut zu werden“, ist doch eine die uns alle beherrschendste: die „vor dem ’Tott’“.

„Angst haben wir vor allem vor dem, was wir nicht kennen“, doziert Paul. Da hilft nur eins, wir müssen es kennenlernen – oder Witze drüber machen. Dem frönt Panzer ausführlich bis langatmig. Im gelegentlich trägen Fluss der verrückten, aber allzu bekannten Alltagsgeschichten kommt ihm eine Unterbrechung wie Handy-Klingeln oder das gackernde Gelächter aus der vierten Reihe als „Side-Kick“ gerade recht. Zu lange ist Panzer schon Comedian, als dass er sich solche Steilvorlagen entgehen ließe. Zumal sie sein Fazit am „Häppzi End“ untermauern: „Wir Verrückten müssen im Gespräch bleiben“, und zwar nicht bloß auf „Schmartzphones“, sondern wie hier live und ganz ohne Angst, uns über uns selbst lustig zu machen.

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Spokenwords auf der Leinwand

Wolf Hogekamp zeigte im Koki Poetry Clips

Von Jörg Meyer

Kiel. Wie kann sich Literatur in ihrer Vermittlung erneuern? Diese Frage stellten sich vor zehn Jahren die Poetry Slammer Bas Böttcher und Wolf Hogekamp. Die Antwort war schnell gefunden: Poetry Slam-Texte sollten nicht nur auf der Bühne neue Hörer finden, sondern als Poetry Clip auch Zuschauer auf den „Leinwänden“ von Youtube & Co.

Beim Spokenwords.sh Festival zeigte Wolf Hogekamp im Koki, wie sich das neue Format, das dem von Musik Clips in manchem ähnelt, entwickelt hat und welche vielfältigen filmischen Möglichkeiten der Visualisierung von Spokenwords es gibt: vom einfachen Abfilmen des Slam-Vortrags bis hin zu animierten Bildmontagen mit dem Text als Off-Ton. Ein Beispiel für ersteres ist „Bismarckallee“, worin Franziska Holzheimer ihren Text über das Leben auf und an dieser Kiez-Straße vor deren Hintergrund geradeaus in die Kamera spricht.

Auch in Nora Gomringers „Du baust einen Tisch“ ist der Text-Bild-Bezug recht einfach und klar, indem sie den Text vor der Kulisse eines Baumarkts performt. Tempo gewinnt das Poem durch rasche Schnitte.

Eine komplexere Verknüpfung zwischen Text und Bewegtbild findet sich in Jason Bartsch’ „Manche Probleme“, wo mit Porträts des sprechenden Poeten gespielt wird, die aus dem Filmbild ausgeschnitten und auf Papier ausgedruckt neu animiert werden – eine treffende Parabel auf die Komposition eines Gedichts und von Bildern im Film.

Der Clip „Spiegel“ vom Slam-Duo Großraumdichten ist nach Hogekamps Einschätzung „schon fast zu komplex und lenkt vom Text ab, der beim Poetry Clip eigentlich immer im Vordergrund stehen sollte“. Wie bei vielen Musik Clips wird hier auf der gesamten – surrealen – Klaviatur des Experimentalfilms gespielt.

Aber auch noch eine ganz andere Art der Verbindung von Wort und Film ist möglich, wenn der Text nicht „verfilmt“ wird, sondern sich selbst filmischer Montagetechniken bedient wie in Hogekamps „Cuts 2015“. Mediale Bilder von den Flüchtlingsbewegungen des letzten Jahres reiht Hogekamp – ganz ohne diese Bilder – in „zappenden“ Schnitten zwischen Satzfragmenten. Der Poetry Clip entsteht so nicht auf der Leinwand, sondern „im Kopfkino“.

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Eine zarte Liebe zerbricht in einer Schreckensnacht

Giacomo Meyerbeers monumentale Rarität „Die Hugenotten“ zum Saisonauftakt der Kieler Oper

Von Christoph Munk

Kiel. In Zeiten, da Gotteskrieger im Namen ihrer Religion nicht nur in ihrem angestammten Terrain gebieten sondern in der weiten Welt für Terror sorgen, liegt es nahe, Giacomo Meyerbeers Grand Opéra „Die Hugenotten“ aus heutiger Sicht zu deuten. Doch zu seiner Spielzeiteröffnung widersteht das Kieler Musiktheater über weite Strecken dieser Versuchung und bietet stattdessen, inszeniert von Lukas Hemleb, einen dekorativen Bilderbogen: grausamste Geschehnisse in gehörig historischen Abstand gerückt. Das Premierenpublikum schien’s zufrieden und dankte mit freundlichem Applaus.

Harmonisches Tableau im Garten der Marguerite de Valois (Daniel Bruera, Mitte). Foto Olaf Struck

Harmonisches Tableau im Kreise der Hofdamen im Garten der Marguerite de Valois (Daniela Bruera, Mitte) (Fotos: Olaf Struck)

Die Bartholomäusnacht gilt als einer der immer noch erschreckenden Momente in der Geschichte der europäischen Religionskriege. Im August 1572 richteten Glaubensfanatiker bei der Hochzeit der katholischen Margarete von Valois mit dem Hugenotten Heinrich von Navarra unter den Gefolgsleuten des Protestanten ein Blutbad sondergleichen an. Diesem Ereignis widmete der aus Deutschland stammende Komponist Giacomo Meyerbeer für die Pariser Theatergesellschaft 1835 seine Grand Opéra, „Die Hugenotten“: ein wuchtiges, monumentales Werk, das die Brutalität der Auseinandersetzung ungeschönt auf die Bühne bringt.

Vor dem Hintergrund der Schreckensnacht schildern der Komponist und sein Librettist Eugène Scribe eine romantische Liebesgeschichte, die, wie es sich in der Musiktragödie gehört, tödlich endet: Raoul de Nangis gehört den Hugenotten an, seine nach etlichen Wirrnissen bedingungslos angebetete Valentine ist die Tochter des katholischen Anführers. Die Romeo-und-Julia-Konstruktion ihrer Leidenschaft verschärft den dramatischen gesellschaftlich-politischen Konflikt und bereichert ihn um die menschlich anrührende Dimension.

Meyerbeer sicherte sich den sensationellen Erfolg seines Bühnenwerkes, der über das gesamte 19. Jahrhundert andauerte, mit allen Mitteln, die das Publikum einer Grand Opéra erwartete: große Aufmärsche im Kontrast zu intimen Szenen, rohe Soldatenformationen neben unbeschwertem Volksgetümmel, gefühlvolle Duette neben konspirativen Versammlungen, Treueschwüre gegen blanken Verrat und infame Verschwörung – großes Ballett, imposante Tableaus in Serie.

Auch musikalisch hantiert der Komponist mit dem bunt gemischten Fächer seiner stilistischen Virtuosität. Schon in die Ouvertüre montiert er einen später leitmotivisch eingesetzten Luther-Chor und setzt ein reißerisches Kriegslied dagegen, kombiniert lyrische Belcanto-Arien mit Koloratur-Kunststücken, lässt Soldaten marschieren und Andachten prozessieren, verdichtet den Orchesterpart zu Kampfgetümmel und reduziert ihn wieder auf eine sensible Begleitung der Sänger. Meyerbeers Harmonie enthielte deutsche Elemente, diagnostiziert die Fachwelt, seine Rhythmik folge französischen Einflüssen, seine Melodik italienischen Mustern. Die Urteile über Meyerbeers „Hugenotten“ schwankten stets zwischen Berlioz’ Bewunderung – „eine wahre musikalische Enzyklopädie“ – und Richard Wagners späterem Verdikt: „Wirkung ohne Ursache“.

Zum Kampf entschlossen: die Hugenotten um Raoul de Nahgis (Anton Rositsky, links) und Marcel (Timo Riihonen, rechts). Foto Olaf Struck

Zum Kampf für den Glauben entschlossen: die Truppe der Hugenotten um Raoul de Nangis (Anton Rositsky, links) und Marcel (Timo Riihonen, rechts)

Der Effekte jedenfalls darf man sicher sein, denn das Opernmonster schillert in den schönsten und grässlichsten Farben. Darauf kommt es Daniel Carlberg an, wenn er das Philharmonische Orchester zu den subtilsten Klangvaleurs animiert, in den mächtigen Chören wuchtigen Schwung entwickelt, fein austarierte Instrumentalbegleitung fordert und doch nicht verbergen kann oder will, dass die Partitur in stilistische Splitter zerfällt und kaum aus einem Guss zu musizieren ist.

Auf dekorative Wirkung kommt es auch Regisseur Lukas Hemleb an, wenn er die Handlung vor allem von Tableau zu Tableau wandern lässt. Gianni Carlucci unterstützt ihn mit sparsam ausgestatteten Räumen, in deren Hintergrund eine schimmernd matte Spiegelfläche  so etwas wie riesige Gemälde illusioniert und für raffinierte Stimmungen sorgt. Die vordergründig ausdruckskräftigen Kostüme von Falk Bauer, eher historisierend als stilistische streng authentisch, komplettieren die nach optischer Gefälligkeit ausgerichteten Bildkompositionen.

Lukas Hemleb verbindet darin einen gestrafften, auf dreieinhalb Stunden reduzierten Handlungsstrang mit gekonnt geführten, von Lam Tran Dinh musikalisch perfekt vorbereiteten Auftritten der Chormassen und mit markant ausgeführten Charakteren. Dazu kann er sich auf ein gesanglich gut disponiertes Solistenensemble verlassen – auch in den mittleren Partien. Agnieszka Hausers Valentine und Anton Rositskys Raoul bilden ein „italienisches“, lyrisch intensives und gleichzeitig strahlend und mühelos singendes tragisches Liebespaar. Daniela Bruera verleiht der Herrscherin Marguerite von Valois geläufige Koloraturen und geschmackvollste Töne. Jörg Sabrowski intoniert mit bitterem Bariton einen bösewichtigen Katholikenführer Saint-Bris, Tomohiro Takada – immer kultivierter im Timbre – gibt den nicht nur stimmlich noblen Gegenspieler. Während Timo Riihonen mit kräftig grundiertem Bass einen braven, gottesfürchtigen Diener Marcel beisteuert, liefert Karola Sophia Schmid einen mit stiller Komik anrührenden Pagen Urbain.

Die Ensembles, gesungen im originalen Französisch, geraten zeitweise unübersichtlich, so richteten es schon Komponist und Librettist an. Dafür entfalten die ausufernden Massenszenen starkes Kolorit, und am Ende geht es in Hemlebs Inszenierung doch um mehr als ein historisches Spektakel. Wenn zum Finale noch und noch die toten oder blutenden Opfer die Bühne füllen, erinnert das ebenso an den Blick in ein historisches Panoptikum wie an die täglichen Reportagebilder auf unseren Fernsehschirmen. Religionskriege fordern immer die gleichen Opfer. Leichte Beklemmungen darum im Auditorium vor lebhaftem Premierenapplaus.

Info und Termine: www.theater-kiel.de

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Switchen zwischen den Sprachen

Der Kunstflecken Poetry Slam eröffnete das Spokenwords.sh-Festival mit einem polyglotten Sprach-Mix

Von Jörg Meyer

Neumünster. Maria Viktoria kam als Kind aus Moskau nach Norddeutschland und weiß nicht so genau, welche eigentlich ihre „Muttersprache“ sei: Die „Princessa“, die ihr auf Russisch Märchen erzählte, Deutsch, die Landessprache der Integrierten, oder Englisch, die „Lingua franca“, die (fast) jeder versteht? Im gesprochenen und performten Wort, das im Mittelpunkt des Spokenwords.sh-Festivals steht, spielen Sprachgrenzen keine Rolle, gehen vielmehr über sich hinaus und befördern, so Kultur- und Europa-Ministerin Anke Spoorendonk in ihrem Grußwort, „die Völkerverständigung“.

Derart fortschrittliche Politik und Poesie sind sich einig, dass eben das Switchen zwischen den Sprachen Kreativität freisetzt. Zum „Warmup“ – oder wie das im Poetry Slam heißt, als „Opferlamm“ – überqueren die außer Konkurrenz antretenden französischen Gäste Monsieur Mouch und PoiSon D’Avril hurtig den Rhein von West nach Ost und zurück. Slam-Weltmeister Harry Baker aus London quirlt mit seinem „Falafellöffel“ in der alliterierenden Ursuppe des mehrsprachig klingenden Worts, und der aus Chicago kommende Slam-Poet Tim Stafford beschwört das „Homeworking“ am Wort. Apropos „Heimwerken“: Stefan Schwarck aus Kiel gibt sich als Architekt von vollverglasten Hundehütten und der sozialen Plastik von schnöden Bushaltestellen, in die zwar kein Mensch, aber wohl das Wort passt.

Und was zwitschert uns der Schlaf ein? Tobi Kunze (Hannover) filtert aus dem eine hypnotisch rappende und sich exaltierende Reimkaskade. Bas Böttcher, das Slam-Urgestein aus Bremen, jetzt Berlin, dessen Großmutter, wie er lokalkoloriert, in Neumünster „einst eine Kneipe betrieb“, entdeckt in der Sprache verborgene Wörter wie „BluMENSCHträuße“ und reimt flink und augenzwinkernd solch „nette Reden“ auf „MarioNETTenfäden“. Preisverdächtig! Allein, das Publikum in der ausverkauften Werkhalle verleiht dem Applausometer von Moderator Björn Högsdal noch größere Amplitude bei den drei Finalisten. Nach Applaus ununterscheidbar und daher beide auf dem zweiten Platz sind Yasmin Hafedh mit ihrer Ausführung zum „Piefkenesisch“, der Sprache von deutsch-tunesisch-stämmigen Wienerinnen, und Michel Kühn, SH-Meister 2015, mit seinem fulminanten Ritt durch den „Metakreis“, sprich die mehreren Ebenen eines Textes, die am Ende in sich zurückkurven, sich doppeln und verschlingen und keinen Ausweg aus dem Text bieten als den, immer weiter zu dichten.

Sieger nach Applaus bleibt der Kieler Helge Albrecht mit einem eher klassischen Slam-Erzähltext über ein Saufgelage in einer Kneipe an der jütländichen Westküste. Da wird dänisch gesprochen und getrunken, bis sich die Wörter so schön verwirren, dass das babylonische Switchen zwischen den Sprachen eine neue schafft – des einander Verstehens über alle (Sprach-) Grenzen hinweg.

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Lohengrin singt mitten im nächtlichen Fremdenverkehr

Erinnerungsstücke von einer spätsommerlichen Kulturreise nach Wien –
Teil 1

Von Christoph Munk

Wien. Wohin im September? Da verdämmern Sommertheater und Festivals und die gewohnte Kultursaison erwacht erst allmählich. Die Wiener Staatstheater erleichtern die Entscheidung: Dort beginnt die Spielzeit in den ersten Septembertagen. Und als sich zeigt, dass für eine Vorstellung von Wagners „Lohengrin“ mit Klaus Florian Vogt noch Karten zu kriegen sind, haben andere Reisepläne keinen Platz mehr in unseren Köpfen. Unser Schleswig-Holsteiner, unser Kunstpreisträger in seiner aktuellen Paraderolle. Und dann locken noch zwei Inszenierungen mit Joachim Meyerhoff, dem Schleswiger, den nicht nur die Schleswigerin an meiner Seite schätzt.

Wien also. Kulturreise, was sonst? Und gern ein bisschen abseits der bekannten Wege und Plätze. Nichts, was abgehakt werden muss, sondern was individuelle Erinnerungen hinterlässt: Kulturschnitzel, Wiener Melange, Kaiserschmarrn. Ein bisschen davon, finde ich, passt durchaus in einen Kulturblog für Kiel und mehr.

Eins von vielen im 7. Wieder Bezirk: das Renaissance Theater in der Neubaugasse. (Foto Peter Gerull)

Eins von vielen im 7. Wieder Bezirk: das Renaissance Theater in der Neubaugasse. (Foto: Peter Gerull)

Ein Zimmer suchen wir wie immer im 7. Bezirk. Da beginnt Kultur direkt vor der Haustür. Nicht weil da besonders viele Kirchen oder Palais zu finden wären und das Museumsquartier direkt angrenzt,, sondern weil in den Gassen links von der gewöhnlich schicken und überfüllten Mariahilferstraße besonders schöpferisch und kultiviert gelebt wird: Da begegnen sich Gewusst-Wie und junge Erwartungen, Ideenreichtum und Risikofreude. Also sind Architekturbüros neben Designerläden angesiedelt, avantgardistische Galerien logieren neben „Schuhreparaturen aus Meisterhand“, Manufakturen vielerlei Arten fertigen Neues nach alten Methoden, Esoteriker entrücken im „OM Sweet OM“, ein Antiquitätenhändler interessiert sich für „Verlassenschaften“, die Papeterie „Herzilein“ genügt dem Kleinmädchengeschmack, „Spielwurm“ bietet pädagogisch wertvolles Holzspielzeug. – wurmfrei? Aber für wen ist das „Hühnerparadies“ eingerichtet? Für Hühner oder Hühnerverzehrer? Malateliers stecken in jedem dritten Hinterhof, Tanzstudios an allen Ecken. Gefühlt existieren dort mehr freie Theater als Bäckereien. Und in der stillen Bandgasse bietet „Andrasaits“ im 4. Stock (klingeln bei Andraschek) – ja was wohl?: Unterricht auf Streichinstrumenten.

Also hin zur Musik. Wagner gleich am ersten Abend. Nachmittags stand Klaus Florian Vogt noch auf den Aushängen, abends fehlte sein Name auf dem Besetzungszettel. Stefan Vinke gab für ihn sein Debüt in dieser Partie an der Staatsoper. Kleine Enttäuschung bei uns Kieler Fans. Ein akzeptabler Verlust, schließlich eher ein interessanter Vergleich, wie es sich ein paar Tage später erwies. Vinke hat sich schon im Fach der schweren Wagner-Helden etabliert – Siegfried etwa –, dem sich Voigt erst vorsichtig nähert.

Homokis „Lohengrin": eine alpine Dorfgemeinschaft mit Heinrich dem Vogler (Günther Groisböck) als Oberhaupt. (Foto Staatsoper Wien)

Homokis „Lohengrin“: eine alpine Dorfgemeinschaft mit Heinrich dem Vogler (Günther Groisböck) als Oberhaupt. (Foto: Staatsoper Wien)

Vinkes Tenor ist von stabiler Strahlkraft, sein Piano eher durchdringend. Und Vinkes stämmige Burschenfigur und sein Kurzhaarkopf scheinen perfekt zur Gesellschaft zu gehören, in der Regisseur Andreas Homoki seinen „Lohengrin“ ansiedelt: In einer roh gezimmerten Bauerngaststube kommt eine alpenländische Dorfgemeinschaft zusammen. Heinrich der Vogler führt sie als Bürgermeister, Telramund und Ortrud begehren mit finsteren Mitteln die Macht, Elsa, die reiche Erbin, soll ihr Opfer werden. Aber Vinkes Lohengrin, ihr Erlöser, erscheint nicht als ein Fremder. Er steht in der Mitte dieser Gemeinschaft, wirkt wie einer von ihnen, ohne die Aura des Fremden, ohne Geheimnis.

Mich erstaunt, wie deutlich die Mechanismen im Ringen um Macht in Homokis alpinem Milieu jenen Konstruktionen ähneln, die Richard Wagner seiner romantischen Ritteroper unterlegt hat. Und mich, der sich durch Bilder und Handlungsmuster an die Ganghofer- und Anzengruber-Lektüre in jungen Jahren erinnert fühlt, erstaunt noch mehr, wie die Opernkritik in Wien und Zürich (wo die Produktion zunächst herauskam) mit Homokis Konzeption umging: wenig interessiert, gleichgültig.

Andreas Homokis Interpretation gewinnt allerdings an Deutlichkeit, wenn Klaus Florian Voigt die Titelpartie ausfüllt. Sein Erscheinungsbild und seine subtile Stimmkultur, die eher reine als stählerne Farbe seines Tenors lassen ihn eher als ein Wesen aus einer anderen Welt wirken. Sein Lohengrin ist ein Fremder, ein aus mythischer Höhe entsandter …

Doch noch Klaus Florian Voigt als Lohengrin: Video-Projektion auf dem Herbert-von-Karajan-Platz. (Foto Munk)

Doch noch Klaus Florian Voigt als Lohengrin: Video-Projektion auf dem Herbert-von-Karajan-Platz. (Foto: Munk)

Wie wir das erfahren? Ganz einfach: Zur zweiten Runde seiner Wiener „Lohengrin“-Serie konnte Voigt wieder selbst antreten. Zu sehen und zu hören in riesiger Video-Projektion an der Seite des Staatsopern-Gebäudes. Was in Kiel unter großer Selbstbelobigung einmal bei Gelegenheit der Sommeroper möglich scheint, ist in Wien gewöhnlicher Theateralltag. Da sitzen die Leute zu Dutzenden auf dem Herbert-von-Karajan-Platz und gucken Oper. Drumherum lärmen Straßen- und Fremdenverkehr. Das stört die Opernhörer, aber keiner kümmert sich drum. Daran zum Beispiel sind Unterschiede zu erkennen. Kiel ist eben nicht Wien. Denn Wien bleibt Wien – das erfülle „den Tatbestand einer gefährlichen Drohung“, urteilte einst Karl Kraus. Widerlegt ist er bisher nicht, weder so noch so.

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Die reiche Vielfalt der Solisten

Das Monodrama Festival „Thespis“ feiert mit alten Freunden und neuen Entdeckungen in Kiel sein 10. Jubiläum

Von Christoph Munk

Kiel. Die Vorfreude ist schon da. Die Vorfreude auf das babylonische Sprachgewirr im Foyer des Kieler Schauspielhauses, auf die interessanten, fremdartigen Gestalten in der Pumpe, auf die alten Freunde und die Neuankömmlinge in den Spielstätten. Und alle vereint eine Leidenschaft: das Theater. Vor den wachen Augen und aufmerksamen Ohren verwandelt sich die Kieler Szene merklich, wenn das Internationale Monodrama Festival „Thespis“ gefeiert wird. Vom 11. bis 18. November geschieht das zum zehnten Mal – ein Jubiläum.

Wettbewerbs-Beitrag zum Auftakt: „On Track" mit Kristien de Proost. (Fotos Thespis)

Im Eröffnungsprogramm: „On Track“ mit Kristien de Proost. (Fotos: Thespis)

„Von überallher kommen Künstlerinnen und Künstler und präsentieren den Status Quo dieser kleinen und großen Theaterform“, blicken Festivaldirektorin Jolanta Sutowicz und ihr Dramaturg Jens Raschke auf die Tage voraus, in denen Kiel zum Mittelpunkt der Monodramen-Welt wird. Und sie feiern den runden Geburtstag als „willkommenen Anlass, Rückschau zu halten auf 17 Jahre Thespis“. Viele der Gäste seien Freunde geworden und bis heute geblieben – und einige werden schmerzlich vermisst: vor allem der „Vater des Monodramas“, Valery Khasanov aus Moskau, oder Henning Trabandt vom Trägerverein Maecenas.

Doch aus langjährigen Gästen wurden treue Freunde. So kommt etwa Birute Mar, Preisträgerin des ersten Thespis Festivals 1999 aus Litauen, wieder und zeigt noch einmal ihre Fassung von „Antigone“, vom Festivaljahr 2001 in bleibender Erinnerung. Ständiger Gast war auch Pip Utton aus Großbritannien, der diesmal mit zwei seiner Solostücke wiederkehrt, mit „Playing Maggie“, seiner Porträtstudie über die Eiserne Lady Maggie Thatcher, und mit „Adolf“, seiner gleichermaßen unterhaltsamen wie verstörenden Hitler-Studie, mit der er erst nach vier Jahren internationaler Tourneen 2002 nach Deutschland kam, wo er vorher aus Angst vor Neonazi-Übergriffen nicht aufgetreten war.

Diktator und Angst: „Koma/Stalin" mit Alesksandas Rubinovas

Studie über Diktator und Angst: „Koba/Stalin“ mit Alexandras Rubinovas aus Litauen

Gewissermaßen als Gegenstück präsentiert Alexandras Rubinovas aus dem litauischen Kaunas sein biografisches Solo über den russischen Diktator Stalin, die aufzeigen will, wie sehr Angst als Grundlage zu allen Diktaturen gehört. Mit einem weiteren historischen Porträt kommt die Britin Rebecca Vaughan zum Festival: „I, Elizabeth“. An seinen eigenen Lebensweg und die Geschichte seiner Familie in Südafrika erinnert der deutschstämmige Schauspieler Kurt Egelhof in seiner Produktion „For Generations“. Politische Entwicklungen und Konflikte in ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft und auf einzelne Persönlichkeiten werden häufig zum Thema zahlreicher international und stilistisch verschiedener Produktionen, die alle zeigen, wie künstlerisch lebendig und hochaktuell sich das Genre Monodrama unter Begriffen wie Ein-Personen-Stück, Solo Performance oder etwa One Man Show entwickelt hat.

Oft und gern gesehener Thespis-Gast: Birte Mar.

Oft und gern gesehener Thespis-Gast: Birute Mar

Zu den guten Bekannten, die für diese Vitalität stehen, zählt auch die Japanerin Nozomi Satomi, die 2006 den ersten Thespis-Jury-Preis mit „Who Am I“ erhielt, damals am Ende ihrer Performance in ihrer großen Papiertüte verschwand und jetzt wiederkehrt und von „A Life in My Bag“ erzählt. Zu den prominenten Gästen gehört der Wiener Schauspieler Philipp Hochmair, lange Jahre Burgschauspieler und jetzt Mitglied des Hamburger Thalia-Ensembles, der in seiner Aufführung „Jedermann Reloaded“ gleich mehrere Figuren das Hofmannsthal-Klassikers auf die Bühne bringt. Zumindest in Kiel bestens bekannt ist Marius Borghoff vom hiesigen Schauspielensemble, der sein Solo „Protestsong“ vorstellt. Oder das kabarettistisch-musikalische Moderatoren-Gespann Hans-Christian Hoth und Caspar Frantz, das am Freitag, 11. November, um 20 Uhr die Eröffnungsgala ausschmückt, bevor auf der großen Bühne des Schauspielhauses die Belgier Kristien & Mark de Proost mit „On Track“ die Reihe der Wettbewerbs-Beiträge anführen.

Bis am 18. November die international besetzte Jury den oder die Preisträger kürt, gibt es viel zu entdecken. Da gilt es, Sprachgrenzen zu überwinden, indem man, falls mit fremder Zunge gesprochen wird, voller Neugierde beobachtet, was jenseits des gesprochenen Wortes auf der Bühne zu erfahren ist. Wer sich mit aller Intensität auf die wechselnde Vielfalt und auf die Fülle der stilistisch unterschiedlichen Darstellungsmittel einlässt, kann jenes fantastische Abenteuer miterleben, zu dem die Kieler und ihre Gäste von Jolanta Sutowicz und ihrem Thespis-Team im Jubiläumsjahr willkommen sind.

Informationen: www.thespis.de

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„Wir beziehen gezieltes Expertenwissen bei anerkannten Fachleuten“

Dr. Bernd Brandes-Druba, Geschäftsführer der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, im Gespräch über Kulturförderung

Interview: Holger Förster

Während es den öffentlichen Haushalten allmählich besser geht, sind die Fördermittel für Kunst und Kultur weiterhin auf einem Tiefststand. Umso wichtiger sind Geldgeber aus dem privaten Umfeld, von Stiftungen und Unternehmen, ohne die unsere kulturelle Landschaft verdorren würde. Die Sparkassen sind da in einer interessanten Doppelrolle: Zum einen sollen sie wirtschaftlich arbeiten, zum andern aber auch die Kommunen bei ihren sozialen und kulturellen Aufgaben unterstützen. Eine Verpflichtung auf den Gemeinnutz, ohne gemeinnützig zu sein. Einen Teil diese kulturellen Aufgaben haben die Sparkassen an ihre Stiftungen delegiert. Der Geschäftsführer der größten und landesweiten Stiftung, Bernd Brandes-Druba, ist damit eine maßgebliche Größe in der Kulturszene des Landes. Unser Gastautor Holger Förster sprach mit ihm.

Als Geschäftsführer der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein vertreten Sie einer der größten Kulturförderer in Schleswig-Holstein. Damit haben Sie Einfluss auf die Ausrichtung der künstlerischen Entwicklung im Lande. Was sind Ihre Ziele?

Geschäftsführer mit großem Einfluss: Dr. Bernd Brandes-Druba von der Sparkassenstiftung.

Geschäftsführer mit großem Einfluss: Dr. Bernd Brandes-Druba von der Sparkassenstiftung

Als Sparkassen-Finanzgruppe sind wir in der gesamten Fläche des Bundeslandes aufgestellt: von der Stadt über die Dörfer bis hin zu den Inseln. Wir fördern Kunst und Kultur über die landesweit tätige Sparkassenstiftung – ergänzend zu den Förderungen der zwölf Sparkassen in Schleswig-Holstein und deren über 50 regional tätigen Stiftungen – für ausgewählte, möglichst landesweit wirksame Maßnahmen. Diese sollen ein „Beispiel“ geben für die Bemühungen anderer. Die Kulturangebote müssen öffentlich und für möglichst viele unterschiedliche soziale Gruppen zugänglich sein. Sie sollen die Bandbreite der gesellschaftlichen Entwicklungen widerspiegeln – also nicht nur einer bestimmten Region, Gattung oder Kunstrichtung dienen.

Schleswig-Holstein ist ein Flächenland. Die Förderung der Sparkassenstiftung konzentriert sich auf einige wenige kulturelle „hotspots“, in den ländlichen Regionen kommt kaum etwas an. Lohnen die ländlichen Kunstvereine, Ateliers und Initiativen keine Förderung?

Da versuchen wir eine „Ausgewogenheit“ herzustellen, aber das gelingt uns auch und eher über die Kollegen bei den regional tätigen Stiftungen der Sparkassen, mit denen wir uns ständig abstimmen. Aber Ihre Beobachtung trügt: Orte wie Kloster Cismar (Grömitz) in Ostholstein, das Museum Haithabu in Busdorf oder die Nolde Stiftung in Seebüll (die wir beispielsweise fördern) liegen in den ländlichen Regionen. Oder denken Sie an die „Theodor-Storm-Festspiele“ in Hanerau-Hademarschen und das „Artist-in-Parish-Programm“ der Nordkirche im ländlichen Norden des Bundeslandes. Zudem fördern wir landesweite Reihen wie die „Museumszertifizierung“, den „KulturSommer“ oder den „Museumstag“, die in der ganzen Fläche des Landes wirksam sind, nicht nur in den Städten.

Im Sport unterscheidet man zwischen Breitensport und Spitzensport. Spitzensport kann sich ohne Breitensport nicht entwickeln. Nach Ihren Förderrichtlinien werden Projekte nur gefördert, wenn sie von „hoher Qualität“ sind. Nachwuchsförderung sehen Sie nicht als Auftrag der Stiftung?

Von der Stiftung gefördert: Wettbewerb „Jugend musiziert". (Fotos Sparkassenstiftung)

Von der Stiftung gefördert: Wettbewerb „Jugend musiziert“ (Fotos: Sparkassenstiftung)

Objektive Qualitätsmessbarkeit in Kunst und Kultur ist ein schwieriges Unterfangen: aber mit unseren umfänglichen und langjährigen Projektreihen wie „Schoelers leest Platt“ zusammen mit dem Heimatbund und den Bibliotheken oder „Jugend musiziert“, die ausschließlich Kindern und Jugendlichen zukommen, sind wir in diesem Segment wahrnehmbar aufgestellt. Oder nehmen Sie die seit Jahren von uns mit geförderte Initiative des Landesmusikrates „Instrument des Jahres“ – hier setzen wir gezielt – und im bewussten Unterschied zur Förderung des „Spitzensportlers SHMF“ – bei Kindern und Jugendlichen „im Breitensport“ an. Die Stiftung schließt eine institutionelle Förderung weitgehend aus; laufende Kosten werden nicht bezuschusst. Das erschwert die Entstehung einer flächendeckenden Infrastruktur (Atelierräume, Galerien, Ausstellungsmöglichkeiten, Öffentlichkeitsarbeit) ohne die sich künstlerische Qualität kaum entwickeln kann. Es gibt Stiftungen, die als Trägerstiftung fungieren: auch unter unseren bundesweit ca. 750 Sparkassenstiftungen (s. etwa die Stiftung Neuhardenberg in Brandenburg oder in Schleswig-Holstein das „Erlebnis Bungsberg“ in Ostholstein). Aber bei den überwiegend als Förderern tätigen Stiftungen hat sich bewährt, dass projektbezogene Ansätze vorrangig verfolgt werden – und das gilt übrigens ebenso für andere Stiftungen als die der Sparkassen. Vorteile sind hier die Flexibilität und die Aktualität bei den Vorgängen. Kein Stiftungsvertreter sollte den Anspruch setzen, für Alles zuständig zu sein. Kultur lebt von der Vielfältigkeit, und Stiftungen sind nur ein Förderelement neben anderen.

Im Stiftungsrat sitzen Vertreter der Sparkassen und der Politik. Künstler sind dort nicht vertreten. Führt das nicht zu einer arg einseitigen Sichtweise?

Förderprojekt: Ausstellung und Katalog Raffael Rheinsberg und Lilli Engel im Flandernbunker Kiel, 2013.

Förderprojekt: Ausstellung und Katalog Raffael Rheinsberg und Lilli Engel im Flandernbunker Kiel, 2013

In der Stiftungsverwaltung sind wir – ohne unbescheiden sein zu wollen – nicht ganz ohne fachliche Expertise auf unseren Satzungsgebieten. Wir sind auch keine (reine) „Kunststiftung“. Der Stiftungsrat setzt sich aus erfahrenen Persönlichkeiten aus den unterschiedlichen Regionen des Bundeslandes zusammen – und die würde ich nicht nur auf „Sparkasse“ und „Politik“ reduzieren. Wir zehren in der Verwaltung unserer Stiftung sehr von dem Erfahrungsschatz im Stiftungsrat. Zudem leben wir im offenen Diskurs mit unseren Partnern, insbesondere aus den Bereichen Kunst, Denkmalpflege und Kultur – und beziehen gezieltes Expertenwissen bei anerkannten Fachleuten.

Die Stiftung substituiert anteilig öffentliche Mittel. Während öffentliche Mittel demokratisch legitimiert vergeben werden, unterliegen Ihre Vergabekriterien keiner öffentlichen Einflussnahme. Empfinden Sie das als Problem?

Wir sehen und begreifen uns nicht als „Substituent“ öffentlicher Mittel und streben dies auch nicht an. Im Übrigen wäre das auch vermessen, denn Stiftungen können allenfalls einen sehr kleinen Teil der erforderlichen Fördermittel leisten. Wir freuen uns über jede ausreichende Grund-Förderung von Seiten der öffentlichen Hände sowie über weitere Mittel von Unternehmen, aus gemeinnützigen Quellen oder von Privatleuten für Kunst und Kultur, aber auch für andere gesellschaftliche Zwecke. Zudem versuchen wir nicht nur via Geldmittel, sondern auch mit Service und Ratschlag helfend zu agieren.
Rechtsfähige Stiftungen sind an Recht und Gesetz gebunden; sie unterstehen der Aufsicht der Behörden. Unsere Stiftungen haben Aufsichtsorgane und unterliegen regelmäßigen, jährlichen Prüfungen. Medien wie auch der öffentliche Diskurs, dem wir uns auf Tagungen oder öffentlichen Podien gern stellen, bewirken per se eine „öffentliche Einflussnahme“. Das alles formt unsere Stiftungsarbeit mit, die wir gern und ständig überdenken und anpassen.

Zum Abschluss haben Sie bei der „guten Fee“ drei Wünsche offen …

  1. Eine höhere Verzinsung unserer liquiden Anlagen bei weiter moderater Inflationsrate
  2. Weitere Kunst- und Kulturpartner mit interessanten, realisierbaren Projekten
  3. … und gern noch einmal drei weitere Wünsche.

Weitere Infos: www.sparkassenstiftung-sh.de

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Trickser auf den Tasten

Joja Wendt begeisterte im Schloss mit seiner virtuosen Klavierakrobatik

Von Jörg Meyer

Kiel. Bei Rimski-Korsakows „Hummelflug“, der ersten von vier Zugaben, muss selbst die HD-Kamera kapitulieren, die Joja Wendts flinkes Fingerballett live auf die Leinwand projiziert. Die Bewegungen seiner Hände sind einfach zu schnell, als dass sie die Kamera noch einfangen könnte. Die Ovationen für solche Klavierakrobatik sind im Schloss stehende wie schon beim Presto aus Vivaldis „Sommer“ oder Albeniz’ „Asturias“, wo Wendt die vierhändige Klavierfassung auch mit nur zwei Händen souverän bewältigt.

Tastenakrobat Joja Wendt (Pressefoto)

Tastenakrobat Joja Wendt (Pressefoto)

Voll von solchen Tasten-Tricks ist sein neues Programm, das neben so virtuosen Kabinettstücken auch viele Eigenkompositionen enthält. „Panta Rhei“ heißt die erste, mit der er den Abend eröffnet. Scheinbar unendliche Skalen fließen und rauschen darin wie ein ungezähmter Wildbach, und die kraftvollen Bässe verleihen dem rhapsodischen Werk Lisztsche Dimensionen. Oder Rachmaninowsche, denn dessen cis-moll-Prélude verjazzt er gleich darauf zu einem ständig Haken schlagenden Boogie, an dessen Ende wieder ein typischer Wendt-Trick zum Einsatz kommt: die „Rachmaninow-Leiste“, eine Latte mit Holzstäben, die den Schlussakkord über sämtliche Oktaven des Klaviers ausdehnt.

Ein Tasten-Trickser war auch Art Tatum, den selbst Vladimir Horowitz um seine Fingerfertigkeit beneidete und, wie Joja erzählt, froh war, dass der „nur Jazz spielt, sonst würde er uns klassische Pianisten alle in den Schatten stellen“. Tja, Horowitz kannte Wendt noch nicht, der eben das nun besorgt – inklusive Abbinden der Armbanduhr mitten im Spiel. Derlei Tricks wirken zuweilen wie Virtuosentum um seiner selbst Willen, und Eigenkompositionen wie „Helix“ (eine musikalische Nachbildung der DNA) oder das von einer Reise nach China mitgebrachte „Saima“ mit verzwickten elf Achteln in einem Vierertakt muten etwas überkandidelt an. Ihrem Unterhaltungswert tut das freilich keinen Abbruch. Zumal wenn Joja das Publikum beteiligt, etwa den achtjährigen Daniel zu sich an die Tasten holt. Der kleine Mann ist fast so selbstsicher wie Joja und assistiert diesem spielfreudig bei der kleinen Horrorshow des „Geisterhaus“ auf Mini-Flügel versus dem berühmten hydraulisch tanzenden.

Auch sonst wird das Publikum über bloßes Mitklatschen hinaus eingebunden, untermalt die Regengeräusche im „Regen-Song“ oder bedient die Klingel im „Typewriter“. Und ist sich mit einem herzhaften „Moin Moin!“ mit dem Hamburger Wendt einig, dass nicht nur er, sondern wir alle hier im Norden „pures Dynamit“ sind.

Infos und Hörproben: www.jojawendt.de

Link: Joja Wendt über sein aktuelles Programm in der Talkshow „Bettina & Bommes“ (NDR) am 5.3.2016

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Ein Fest des gesprochenen Worts

Spokenwords.sh – Internationales Festival für Bühnenliteratur
Schleswig-Holstein

Von Jörg Meyer (nach einer Pressemitteilung von spokenwords.sh)

Vom 22. bis 25. September 2016 versammeln sich erstmalig im Rahmen eines Festivals der Bühnenliteratur herausragende Spoken-Word-Künstler aus zehn Ländern in Schleswig-Holstein. Das Festival Spokenwords.sh lädt zu seinem Debut in fünf norddeutsche Städte ein.

Spokenword nennt sich die Kunstform, die dem gesprochenen Wort in seinen schönsten Formen huldigt. Dazu gehören neben Poetry Slam und Rap auch Lesungen, mit oder ohne musikalische Begleitung, leise oder laut. All diesen Facetten der gesprochenen Wortkunst soll auf dem Spokenwords.sh Festival an vier Tagen ein gemeinsamer Rahmen geboten werden.

Aus den USA kommt der Slam-Poet Tim Stafford nach Schleswig-Holstein (Foto: Uwe Lehmann)

Aus den USA kommt der Slam-Poet Tim Stafford nach Schleswig-Holstein (Foto: Uwe Lehmann)

Wie Literatur und Performance zu einer Einheit verschmelzen, kann vom 22. bis 25. September live auf Bühnen in Flensburg, Kiel, Rendsburg, Büdelsdorf, Lübeck und Neumünster erlebt werden. Mit dabei sind Slam-Größen wie Tim Stafford aus den USA, Harry Baker aus Großbritannien, Yasmin Hafedh aus Österreich und Olivia Bergdahl aus Schweden. Auch regionale Künstler und Künstlerinnen wie Helge Albrecht und Mona Harry sind dabei.

Schon im Trailer zu Spokenwords.sh am Literaturtelefon Kiel zu hören: Harry Baker aus GB (Foto: Uwe Lehmann)

Schon im Trailer zu Spokenwords.sh am Literaturtelefon Kiel zu hören: Harry Baker aus GB (Foto: Uwe Lehmann)

In Neumünster geben sich die Poeten zur Auftaktveranstaltung am 22. September auf dem Kunstflecken die Ehre. Das Event mit Spoken-Word-Künstlern aus ganz Europa ist bereits vollständig ausverkauft. In Flensburg treffen am 23. September im Audimax der Europa-Universität bei der Baltic Voices Gala hochkarätige Bühnenliteraten aus verschiedenen Ländern des Ostseeraums aufeinander und zeigen, wie lebendig Sprachvielfalt sein kann. In Kiel zeigen die Spoken-Word-Künstler gleich an zwei Tagen, was ihre Kunst zu bieten hat. Am 23. September lockt die Poetry Clip-Show mit Wolf Hogekamp und Broca Areal aus Berlin in die Pumpe, am 24. September präsentieren deutsche und internationale Bühnenliteraten ihre Meisterwerke bei der Spokenwords-Gala. In Lübeck erwartet die Zuschauer und -hörer im Filmhaus am 23. September die Spokenwords-Gala mit internationalen und deutschen Poeten und am 24. September die Poetry Clip-Show im Filmhaus. Wolf Hogekamp und Broca Areal aus Berlin vereinen hier Wort, Sound und Bild. In Büdelsdorf wird das Spokenwords.sh im Rahmen der NordArt mit einer Matinée beschlossen. Hier wird neben internationalen Spoken-Word-Stars Ministerpräsident Torsten Albig sprechen.

Organisiert wird das Spokenwords Festival von Björn Högsdal von assemble ART und Stefan Schwarck von dieblauestadt. Die beiden Poetry Slammer, Autoren und Kulturveranstalter vereinen ihren Erfahrungsschatz aus der Spoken-Word-Szene in ihrem, wie sie sagen, „Herzstück“, dem internationalen Festival für Bühnenliteratur.

Unterstützung erfährt das bisher einzigartige Event durch das Land Schleswig-Holstein, die Stadt Kiel, das Literaturhaus Schleswig-Holstein, die NordArt und das Nordkolleg Rendsburg sowie weitere Partner, und soll auch in der Zukunft international sowie in der Kulturlandschaft des Nordens eine wichtige Rolle spielen.

Weitere Informationen zu den Künstlern, Locations und dem Programm finden sich unter www.spokenwords.sh & www.facebook.com/spokenwords.sh/.

Als „Trailer“ zu Spokenwords.sh präsentiert das Literaturtelefon Kiel ab 19.9.2016 eine zweisprachige (Deutsch/Englisch) Doppellesung von Bas Böttcher und Harry Baker.

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