The Outside Track begeisterten mit ihrem rockigen Folk im KulturForum

Von Jörg Meyer

Kiel. Irish Folk ist in aller Munde, Saiten und auch bei Riesenproduktionen wie „Lord of the Dance“ in aller steppenden Schuhe. Wer bei dem Auftritt des irisch-schottisch-kanadischen Quintetts The Outside Track im sehr gut besuchten KulturForum Ähnliches erwartete – oder auch befürchtete, sah und hörte sich eines Besseren belehrt.

Schon im Opener „Drilling“ schürfen Mairi Rankin (Fiddle), Ailie Robertson (E-Harfe), Fiona Black (Akkordeon), Teresa Horgan (Flöten) und Michael Ferrie (Gitarre) tiefer, fördern in den üblichen Jiggs und Reels ihrer „pankeltischen“ Musik etwas Transatlantisches hervor: den Rock’n’Roll. Die Harfe zirpt nicht nur die Tunes im Diskant, sondern macht als veritabler E-Bass gehörig rockenden Druck. Im folgenden „Flash Company“ tanzen keine rotblonden Highland-Schönheiten die immer gleichen Reels, sondern eine alte Dame erinnert sich recht emanzipiert, wie sie einem um den anderen Jüngling die Mores der Liebe lehrte. Und auch sonst ist Frau alles andere als grün hinter den Ohren. Gescherzt wird gern mal über den einzigen Mann im Quintett, Michael Ferrie, der sich, statt den Hahn im Korb abzugeben, lieber gleich auf das solide Beat-Spiel seiner akustischen Rhythmus-Gitarre verlegt.

The Outside Track verbinden Celtic Folk mit Rock’n’Roll (Pressefoto)

Letztere ist freilich eines der Feuer, das die keltischen Damen in „The Body Parts Set“ anfachen. Alles soll in Schwingung geraten, nicht nur des schönen Mannes „Ass“, vor allem die Hände des Publikums. Ein Mitklatsch-Stück, logisch! Doch noch viel mehr, wenn die Tin Whistle für jede Klatsch-Begleitung zu flink, mit der rau geblasenen Verve eines Ian Anderson und zuweilen fast jazzig zum Höhenflug anhebt. Aber das Kieler Publikum hält auch hier mit, auf Händen und Schenkeln, also „allen Teilen des Körpers“. „Ihr seid die besten Mitklatscher Deutschlands – weil ihr perfekt den Takt haltet“, lobt Mairi Rankin, und das nicht bloß aus Höflichkeit.

Zwei etwas ruhigere Balladen (das wunderlich romantische „Canadee-I-O“ und das nur zu Anfang melancholische „Get Me Through December“) weiter und „weil eure Hände jetzt bestimmt müde sind“, zeigt die kanadische Wirbelwindin, was sie noch drauf hat: nämlich den Step-Tanz auf so schnellen Schuhen, dass wohl das Gehör, aber kaum noch das Auge mitkommt.

Puh – erstmal Pause! Aber danach geht es weiter im quirligen Mix aus Celtic Dance und Balladen, die nicht an sich halten können (und sollen), nach zwei sanfteren Strophen ganz „un-amtlich“ zu rocken und zu rollen. Wenn Harfenistin Ailie berichtet, dass sie für das whiskey-schwangere „Fishcakes And Brandy“ in den heimischen Highlands „Feldstudien betrieben“ hat, glaubt man das dem Song aus ihrer Feder sofort.

Und weil das Publikum schon vorher so kundig mitklatschte, darf es in der ersten von zwei Zugaben auch mitsingen. Der Funke ist nicht erst hier übergesprungen, jetzt brennt es auf wie vor der Bühne keltisch – also im Rock’n’Roll.

Infos und Hörproben: www.theoutsidetrack.com.