Unter dem Titel „Standpunkte“ zeigt die Kieler Förde Sparkasse im historischen Eingang des Haupthauses am Lorentzendamm Werke des Kieler Malers Thorsten K. Hiebner

Von Hannes Hansen

Kiel. Thorsten K. Hiebner mag nicht zu den bekanntesten Künstlern Schleswig-Holsteins gehören; zwar war eines seiner Gemälde auf der letzten Landesschau des BBK zu sehen, aber weil er wegen anderer beruflicher Belastung – er ist Kunsterzieher – nur selten auf Ausstellungen vertreten ist, ist er eher ein Geheimtipp für Freunde der realistischen Malerei. Dabei ist die Qualität seiner Arbeiten durchaus vergleichbar mit der von Kollegen wie Tobias Duwe oder Nikolaus Störtenbecker. Die These mag steil klingen, lässt sich aber mühelos überprüfen, etwa auf der „Medisage“ genannten Veranstaltung heute Abend um 19 Uhr im Historischen Eingang der Förde Sparkasse, die noch bis zum 30.10. unter dem Titel „Standpunkte“ Werke des Kieler Malers zeigt.

Hällevik Strandvägen Foto: Hibner

„Hällevik Strandvägen“
(Foto: Hiebner)

Fotorealismus oder die grafische Genauigkeit vieler Vertreter des „Neuen Realismus“ sind die Sache Thorsten Hiebners, der an der Muthesius Kunsthochschule bei Ekkehard Thieme, Harald Duwe und Peter Nagel studierte, nicht. Seine Malerei überzeugt mit feinen farblichen Abstufungen und Kompositionen, die mit großer Sicherheit dem Sujet angemessene, zwischen herkömmlich und kühn angesiedelten Bildausschnitten arbeitet. Da ist etwa eine weiße Villa im Sonnenlicht zu sehen, ein Gemälde, das mit seiner Menschenleere und geheimnisvollen Aura an die Arbeiten Edward Hoppers erinnert. Ein Einfluss, den Hiebner, ohne in sklavische Abhängigkeit zu verfallen, ebenso wenig leugnet, wie den seines Lehrers Harald Duwe.

Paint it blue Foto: Hiebner

„Paint it blue“ (Foto: Hiebner)

Ganz eigenständig sind Bilder wie „Paint it blue“ (nach einer Komposition des Jazzmusikers Nils Landgren). Das Gemälde in nahezu monochromer Malerei, die nur verschiedene Tonstufen zwischen Blau und Weiß kennt, setzt einen Himmel, über den amorphe Wolken treiben, in prononciertem Gegensatz zu den klaren Formen von Industriegebäuden.

Überfahrt Foto: Hiebner

„Überfahrt“ (Foto: Hiebner)

Ähnlich „Überfahrt“, eine Arbeit, die mit harten Konturen das Bild des Künstlers an der Pinne eines Segelboots vor einem Industriehafen aus dem fein strukturierten, in vielen Blautönen sich zeigenden  Malgrund herausarbeitet. Nur zwei signalhaft wirkende Akzente in der Komplementärfarbe Orange brechen die Monochromie des Bildes und dynamisieren sie.

Mit starken malerischen Kontrasten dagegen arbeitet das Bild „Sturevigatan“, auf dem Hiebner breitflächige Primär- und Komplementärfarben mit eher tonigen Abstufungen in „Falschfarben“  kommunizieren lässt. Das schmale Hochformat von „2015 Shanghai“ schließlich zeigt sich der Abstraktion nähernde Lichtreflexe im nächtlichen Autoverkehr einer Großstadt.

2015 Shanghai Foto: Hiebner

„2015 Shanghai“
(Foto: Hiebner)

Anmerkung: Früher kannte man die „Vernissage“, die „Ausstellungseröffnung“. Dann kam die „Finissage“ dazu, ein etwas pompöser Name, der die Wichtigkeit des letzten Ausstellungstages betont. Noch bombastischer kommt die „Medisage“ für einen Termin etwa zur Hälfte der Ausstellungsdauer daher. Thorsten K. Hiebners Bilder haben solch gespreizte Wortwahl nicht nötig.

Sturevigatan Foto: Hiebner

„Sturevigatan“ (Foto: Hiebner)