Nils Aulike und ögyr erinnerten in der Hansa 48 an den 2009 verstorbenen Poeten Klavki

Von Hannes Hansen

Kiel. „Man sollte das Glas der Sprache zerbrechen, wenn Schreiben noch eine Zukunft haben soll“, schrieb der vor sechs Jahren verstorbene Kieler Dichter und Slampoet Klavki und artikulierte damit ein Ungenügen an der Sprache des Alltags, die wahren Gefühle und Gedanken der Menschen auszudrücken, das von jeher zum ehernen Bestand der Poesie gehört; man denke nur an Hugo von Hofmannsthals „Chandos-Brief“, an Stéphane Mallarmés hermetische Dichtung oder John Donnes „Go and catch a falling star“.

Nils Aulike (links) und ögyr lasen aus Klavkis Werken (Foto: Helmut Schulzeck)

Nils Aulike (links) und ögyr lasen aus Klavkis Werken (Foto: Helmut Schulzeck)

Klavkis Versuche, ein jugendfrisches Vokabular zu finden, Wörtern einen spezifischen Duft zu geben und ihnen neue Assoziationsräume zu öffnen, dieses Bemühen, das er mit dem von ihm verehrten Dylan Thomas teilte, stand im Mittelpunkt einer Lesung von Klavki-Texten in der Hansa48, mit dem, wie seit Jahren schon, am Vorabend seines Geburtstages Nils Aulike und Klavkis literarischer Nachlassverwalter ögyr an den früh, mit siebenunddreißig Jahren Verstorbenen erinnerten. Mit dem poetischen Manifest „Der Wolkenhändler“ und anderen Prosatexten ließen sie den Sprachjongleur Klavki zu Wort kommen, der die Sprache zertrümmert und ihre Bruchstücke neu zusammensetzt. Nicht ohne Grund erinnern die sturzbachartigen Wortkaskaden an den deutschen Expressionismus. Dabei klingen sie oft gehetzt, getrieben, als verzweifle Klavki an seiner Suche nach dem mot juste.

In sprachlich ruhigerem Gewässer bewegte sich der zweite Teil des Abends, an dem Gedichte auf dem Programm standen. Emotional zwischen reduzierter Coolness, die die Glut unter der Asche nur ahnen lässt, und metapherngesättigter Aufgewühltheit angesiedelt, ist diese Lyrik, die Klavki auch oft auf Slam-Veranstaltungen vortrug, immer ein persönliches Bekenntnis. Ein beklemmender Höhepunkt war Nils Aulikes Performance eines Textes, mit dem er vor Kurzem beim Büdelsdorfer „Dead versus Alive“ Poetry Slam Gewinner des Abends wurde. Klavki setzt sich zwei Jahre vor seinem Tod in dem Langgedicht mit seinem Sterben auseinander. Das Gedicht und Nils Aulikes Interpretation waren gerade wegen der Schlichtheit des Vortragsstils von einer Emotionalität, die es unmöglich macht, über literarische Techniken und Qualitäten zu sprechen.

Klavki 2005 (Foto: Alexa meets)

Klavki 2005
(Foto/Montage: Alexa meets)

Persönliche Erinnerungen an den Mann, dessen Markenzeichen die grüne Trainingsjacke und eine von stets mitgeführten Manuskripten ausgebeulte Cordhose mit riesigen Taschen war, rundeten diese vierte Erinnerungsveranstaltung in sechs Jahren ab. Dass Klavki auch ein hervorragender Fußballspieler war, dessen Verein Union Teutonia Kiel jährlich einen nach ihm benannten Cup-Wettbewerb ausrichtet und eine Umkleidekabine nach ihm benannt hat, wird für viele, die in Klavki nur einen an der Welt und sich selbst leidenden Poeten sehen, eine Überraschung sein.

Texte und Audio-Dokumente von Klavki finden sich auf der Website www.klavki.de.