Die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek zeigt in einer großen Übersichtsausstellung Arbeiten der Malerin Hanne Nagel-Axelsen

Von Hannes Hansen

Hanne Nagel-Axelsen vor "Verwandlung) (Foto: Bressot Carton)

Hanne Nagel-Axelsen vor „Verwandlung“
(Foto: Bressot Carton)

Kiel. Es sind seltsame Tierwesen, die Hanne Nagel-Axelsens Bilder seit dreißig Jahren bevölkern, Tiere, die in keinem Lehrbuch der Zoologie auftauchen. Und doch sind sie sofort erkennbar, erinnern an Monster, an Drachen oder, wie eine Minotaurusgestalt inmitten seltsamer Vögel, an mythische Ungeheuer. Sie scheinen aus unseren Alb- wie Lustträumen direkt auf die Leinwände der in Kleinflintbek und in der Toskana lebenden und arbeitenden Malerin gesprungen zu sein. Sie erwecken ambi-, ja multivalente Gefühle, denn manchmal weiß man nicht so recht, ob man über diese Fabeltiere, diese hunde-, wolf- oder lurchartigen Mischwesen, diese Lämmer und Reptilien schmunzeln, sie bemitleiden oder sich vor ihnen fürchten soll. Oder alles zugleich?

"Eva und die Tiere" (Foto: Landesbibliothek)

„Eva und die Tiere“
(Foto: Landesbibliothek)

Gelegenheit, die Frage für sich selbst zu beantworten, haben die Besucher der Ausstellung „… alles andere als schön“, die am Sonntag, dem 18.10.2015, in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek eröffnet wird. An die einhundert Arbeiten aus über fünfzig Schaffensjahren, meist Gemälde, versammelt die von der Kunsthistorikerin Bärbel Manitz kuratierte Übersichtsausstellung. Einige frühe Arbeiten wie etwa ein Porträt ihres Ehemannes, des Malers Peter Nagel, in fast pointillistischer Manier lassen noch nicht die freie, sich ganz den Assoziationen hingebende Malweise erkennen, die Hanne Nagel-Axelsens Bilder seit den achtziger Jahren charakterisiert und ganz unverwechselbar macht. Am Anfang, erzählt sie, wisse sie oft gar nicht, nicht einmal in Umrissen, wie das fertige Gemälde aussehen werde. Ein erster Farbauftrag folge allein kompositorischen Prinzipien. Erst allmählich, beim Ausprobieren, Verändern, ja Spielen kristallisiere sich ein Bild heraus und verfestige sich zu einer Gestalt, bis sie plötzlich wisse: Ja, das ist es.

"Puppen" (Foto: Landesbibliothek)

„Puppen“
(Foto: Landesbibliothek)

Die Freiheit im Umgang mit Themen und Malweise zeigt findet sich auch in den Malgründen und den verwendeten Materialien. Hannes Nagel-Axelsen malt auf herkömmlicher Leinwand ebenso wie auf Teerpappe, auf Holz, auf grobem Sackleinen. Sie überzieht ihre Bilder mit Leimlinien und streut Sand oder Kohlenstaub darauf, tupft Farbflecken auf die Leinwand oder lässt Farbe in der Manier von Jackson Pollocks Drip Painting auf den Malgrund tropfen. Tannennadeln türmen sich zu einem Berg auf, zufällige Löcher in der – oft frei gelassenen – Leinwand werden zu Augen eines Lammes. Solche Ausflüge in das Raue, das in der Natur Vorgefundenen stemmen sich gegen ornamentale, ganz unrealistische Muster, die in scheinbar freier Variation das Fell und die Haut ihrer Tiere überziehen.

"Bissig" (Foto: Landesbibliothek"

„Bissig“
(Foto: Landesbibliothek)

Der reizvolle Gegensatz ist das gestalterische Pendant zu der Irritation, die Hanne Nagel-Axelsens der Phantasie entsprungene Tierwelt auslöst. Ein von mittelalterlichen Bestiarien gar nicht so weit entfernter Kosmos, der über weite Strecken wie die Kunst gewordene Materialisierung schemenhafter Schrecken und Befürchtungen ebenso wie geheimer Lüste und der Freude am Spiel mit beidem wirkt.

Landesbibliothek, Hanne Nagel-Axelsen, „… alles andere als schön“. Eröffnung: So., 18. Oktober, 11.30 Uhr. Einführung Bärbel Manitz. Bis 11. Dezember, Di – Fr, So 11- 17 Uhr. Sa und Mo geschlossen. Katalog 10 Euro.