Helmut Schulzeck und Jörg Meyer schaffen in Kiel neues Vorführ-Forum: „FilmFörde“

Von Christoph Munk

Kiel. Schleswig-Holsteins Filmemacher erobern sich eine neue Leinwand und erhoffen sich damit Zugang zu einem erweiterten Publikumskreis. „FilmFörde“ nennt sich eine Initiative von Helmut Schulzeck und Jörg Meyer / ögyr, die ihre Reihe von Vorführungen am Donnerstag, 28. Januar, um 19 Uhr im Kieler KulturForum startet und danach monatlich präsentieren will.

Programmatisch rücken die beiden ihre „Bildkunst in bewusste Nähe zur Stadtgalerie“, also einem Museum für bildende Kunst, denn sie zeigen „bildkünstlerisch poetische, experimentelle sowie dokumentarische Kurz- und Langfilme von FilmemacherInnen, die aus Schleswig-Holstein stammen, deren Filme hier gefördert oder gedreht wurden“. Und auch der Titel der neuen Reihe darf wörtlich verstanden werden, denn „FilmFörde will zeigen, was sonst trotz hoher filmischer Qualität im Rauschen des Meeres der Bilder untergeht.“ Mehr noch: FilmFörde versteht sich, so die Kuratoren, bildhaft auch als Film-Fischerin: „Wir zeigen, was uns ins Netz geht, sonst durch dessen große Maschen schlüpft.“ Ihre Beute soll der „Beifang“ werden, bevor er wieder, zurückgeworfen ins Meer oder auch den ’großen Karpfenteich’“, verschwindet.

Den ersten Abend mit Gesprächen über die gezeigten Filme bestreiten Schulzeck und Meyer mit Fang, den sie selbst ausgebracht haben. Sie präsentieren eigene Kurzfilme und versprechen ein Programm „zwischen Mockumentary, Video-Poemen und damit bewegter wie bewegender Video-Kunst“.

Maria Debora Wolf ist erneut die „Lochforscherin“ in Helmut Schulzecks „Löcher im Kopf“ (Foto: Schulzeck)

Maria Debora Wolf ist erneut die „Lochforscherin“ in Helmut Schulzecks „Löcher im Kopf“ (Foto: Schulzeck)

Helmut Schulzecks „Mockumentarys“ wie „Das Laminat …“ oder „Locker und schwitzend“ kommen dokumentarisch daher, ironisieren aber zugleich die Doku, weil sie offensichtlich inszeniert sind. Auf die Spitze trieb Schulzeck dieses Format in „www.betreuteLoecher.de“ (2002) und dessen „Sequel“ „Löcher im Kopf“ (2014). Die Grenze zwischen Dokument und „Fake“ bleibt dabei bewusst offen, um die Frage nach dem (nur vermeintlichen?) Unterschied zwischen beiden aufzuwerfen.

ögyr nennt seine regelmäßig in seinem literarischen Blog veröffentlichten Schöpfungen „video.poems“. Er meint damit „tagebuchartige, exhibitionistische Mixes aus schnell hingeworfenen und im Soundtrack rezitierten Gedichten und deren assoziativer Bebilderung“. Seine flinke Gedichtproduktion übersetzt er darin in Bilder, die seine Texte kommentieren und zugleich konterkarieren (nähere ästhetisch-theoretische Infos zum lyrischen Filmkonzept „video.poem“ hier).

Im weiteren Verlauf der Reihe „FilmFörde“ ist am 25. Februar (19 Uhr) eine lange Doku geplant: „Familie Haben“, ein (durchaus auch als experimentell zu bezeichnender) Dokumentarfilm von Jonas Rothlaender. Die noch nicht abgeschlossene Planung für März sieht wiederum ein Kurzfilmprogramm vor.

Programminfos unter www.facebook.com/filmfoerde