Das Museum Eckernförde zeigt Landschaftsbilder Friedel Andersons

Von Hannes Hansen

Eckernförde. In wenigen Tagen geht Dr. Uwe Beitz nach fünfundzwanzig Jahren als Leiter des Museums Eckernförde in den Ruhestand. Mit dem Erwerb von Sammlungen und mit engagierten Ausstellungsvorhaben, vorwiegend zu Kunst und Künstlern Schleswig-Holsteins, hat er während dieser Zeit dem ursprünglich kleinen Heimatmuseum einen guten Namen in der heimischen Museumsszene verschafft.  Zum Abschied wartet er noch einmal mit einem Glanzpunkt seiner Ausstellungstätigkeit auf: Unter dem Titel „Draußen“ zeigt das Museum Landschaftsbilder Friedel Andersons.

Morsum Kliff

„Morsum Kliff“

Anders also als die große Übersichtsausstellung vor fünfzehn Monaten auf Schloss Gottorf aus Anlass des sechzigsten Geburtstags Andersons zeigen die dreiunddreißig Bilder im Eckernförder Museum ausschließlich Landschaften. Landschaften aus Dänemark und (überwiegend) aus Schleswig-Holstein wie Bilder der winterlichen Schlei, der Eckernförder Bucht oder des Sylter Morsum Kliffs sind darunter, dazu Bremerhavener und Eckernförder Hafenszenen.

Als Mitglied der Gruppe „Norddeutsche Realisten“ ist Friedel Anderson bekannt geworden. Doch der grobschlächtige Realismusbegriff, der so unterschiedliche Maler wie Peter Nagel, Nikolaus Störtenbecker oder eben Friedel Anderson unter einem Schlagwort versammelt, will nicht passen. Und so tut er sich schwer mit der Einschätzung als realistischer Maler. Er wolle das Unmalbare des Wassers malen, schrieb er einmal und meinte damit die Essenz des Flüchtigen, die – Paradox der Kunst – dem Augenblick Dauer verleiht, ohne ihn statisch zu verfestigen und ihm das Transitorische und die Dynamik zu nehmen.

„Wer unbedingt eine Schublade braucht, kann mich meinetwegen einen Realisten nennen“, sagte er damals in Gottorf und ergänzte schmunzelnd: „Mein Sohn hat mich einmal den ‚besten Abmaler der Welt’ genannt. Ich konnte dem damals etwa zwölfjährigen Kind den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Bild nicht erklären.“

Auf diesen Unterschied aber kommt  es ihm, kommt es bei der Kunst generell an. Es geht auf Andersons Bildern nicht um die eins-zu-eins-Abbildung einer außerkünstlerischen Wirklichkeit. Sie ist nur der Anlass für seine Malerei, bei der es, wie in der Musik, die er während des Malens gerne hört, um Komposition, um Rhythmus und – analog zu den Klangfarben der Musik – um malerische, um farbliche Valeurs geht. Ein Bild wie „Von Borby aus“ legt davon und der daraus resultierenden atmosphärischen Dichte geradezu exemplarisch Zeugnis ab.

Von Borby

„Von Borby aus“

Das Bild zeigt im oberen Drittel unter einem diesig verhangenen, weißgrauen Himmel die im blaugrauen Dunst verschwimmende „Skyline“ von Eckernförde, in der die Senkrechten zeichenhaft gesetzter Gebäude und Kräne die Horizontale staccatohaft ordnen. Den Mittelgrund beherrschen das Wasser und die aufblitzenden Wellenkämme der Eckernförder Bucht, die wiederum Bootsstege gliedern, die in die Wasserfläche horizontal einschneiden. Von links unten stößt die Strandlinie diagonal in das Bild und dynamisiert die Komposition.

Das Schwarzbraun des angeschwemmten Treibsels, das Gelb und Ocker des Sands, das aufleuchtende Weiß eines Boots und das Grün von Gräsern im Vordergrund bilden mit ihren eher warmen Farben den Kontrast zu der Kühle von Himmel, Stadt und Wasser. Am Bildrand setzen ein paar rote Farbkleckse – möglicherweise Bojen – einen kräftigen Akzent.

Das alles ist klar als Landschaftsansicht zu erkennen, und insofern mag man es realistisch gemalt nennen. Aber Anderson pinselt nicht detailgetreu Gräser, Zweige, Tang und Wellen. Wir sehen abstrakt anmutende Farbflächen, -flecken, -kleckse, deren Rhythmus dem Gesetz einer gegliederten Komposition folgt.

An Bildern wie diesem und den anderen in Eckernförde gezeigten wird deutlich, warum – Realismus hin oder her – der ehemalige Gottorfer Museumsdirektor Herwig Guratzsch Friedel Anderson als „vielleicht bedeutendsten Freilichtmaler Norddeutschlands“ bezeichnete.

Fazit: Eine äußerst sehenswerte Ausstellung, mit der der scheidende Museumsdirektor Uwe Beitz seiner Nachfolgerin Dr. Dorothee Bieske einen Maßstab setzt. Wir wünschen der langjährigen Kuratorin am Museumsberg Flensburg ein glückliches Händchen.

Museum Eckernförde: „Friedel Anderson – Draußen“. Laufzeit der Ausstellung 14. Februar bis 17. April 2016. Öffnungszeiten: Di, Sa + Feiertag  14.30 – 17 Uhr, So 11 – 17 Uhr.