Das Kieler Schads Ensemble zeigt wieder seine Produktion
„Im Tannengrund 1“

Von Christoph Munk

Kiel. Wer das Kieler Schads Ensemble und seine aktuelle Produktion noch nicht gesehen hat, sollte das jetzt unbedingt nachholen. Denn die drei Schauspielerinnen hinter ihren Masken erzählen in „Im Tannengrund 1“ eine zunächst heitere, dann immer gespenstischer werdende Geschichte. Sie ist noch einmal am 8. und 9. Juli jeweils um 20 Uhr im Kesselhaus des Anscharparks zu sehen.

Zwei Figuren, zwei Masken in stummem Spiel. (Foto Schadsensemble)

Zwei Figuren, zwei Masken in stummem Spiel. (Foto: Schads Ensemble)

Das wie eine übergroße Puppenstube ausgestattete Guck-Kasten-Bühnenbild saugt den Blick des Zuschauers förmlich auf. Da agiert zunächst emsig, sogar ein wenig hektisch eine Frau in Kittelschürze, Staubsauger und Wischlappen in der Hand. Das wäre eine ganz banale Szene mit gewöhnlichen Verrichtungen, wenn da nicht dieses Gesicht wäre: eine Maske, starr und unveränderbar und doch von ständig wechselndem Ausdruck. Eine zweite Frau kommt hinzu, die Aktionen werden immer lebendiger, man erkennt Temperamente, Charakterzüge, Beziehungen. Die Magie des Spiels steigert sich ins Unheimliche, da beide Figuren vollkommen stumm bleiben und doch fantasievoll erzählen.

Das Schads Ensemble – Elena Schmidt-Arras, Linda Stach und Christina Dobirr – hat sich für ihr reduziertes, durch eine versierte Körpersprache belebtes Spiel von der Berliner Gruppe Familie Flöz inspirieren lassen und wendet diese kunstvolle Darstellungsmethode auf virtuose Weise für ihre fremdartig anmutende Story an. Gerade die nur durch Geräusche und sparsame Musikeinsätze unterbrochene Stille illustriert auf wundersame Weise die Situation im Hause „Tannengrund 1“. Da stellt sich die Atmosphäre abgeschiedener Waldeinsamkeit wie in einem bedrückenden Märchen ein.

Denn bald wird die Zweisamkeit der Schwestern gestört durch die Ankunft eines fremdartigen Gastes, auch er stumm, aber fordernd. Und nun ergibt sich das aufregende Spannungsverhältnis einer Dreierbeziehung mit höchst ungewissem Ausgang. Mehr sollte man von der Geschichte nicht erzählen, denn nicht der Fortgang der Handlung bestimmt die Faszination im Spiel des Schads Ensembles, sondern die Raffinesse, mit der Bewegungen, minimale Wendungen des Kopfes – der Masken also – und Körperhaltungen gekonnt eingesetzt werden. Dieses Genre und die Kunstfertigkeit der Ausführung dürften bisher auf der freien Theaterszene Kiels beispiellos sein.

Info und Termine: www.schadsensemble.de