Benefizkonzert mit dem Trio Three Fall und Sängerin Melane
in der Nikolai-Kirche

Von Jörg Meyer

Kiel. Wer beim „X-mas-Special“ der Kulturreihe „amtsKULTUR“ Besinnliches erwartet hatte, sah sich – positiv – getäuscht. Für das Benefizkonzert zugunsten der integrativen Flüchtlingsarbeit im Evangelischen Jugendtreff am Wasserturm (Kiel-Wik) hatte das Landeskirchenamt der Nordkirche das Kölner Trio Three Fall und seine Sängerin Melane in die Nikolai-Kirche eingeladen.

Frohe Botschaft funky Groove: Three Fall & Melane (Fotos: Silke Stöterau / Nordkirche)

Die jungen und in der Jazz-Kritik hochgelobten Jazzer Lutz Streun (Bassklarinette und Tenorsaxofon), Til Schneider (Posaune) und Sebastian Winne (Schlagzeug) verzichten bewusst auf den Bass als Fundament – auch wenn die Bläser ihn vermöge raffinierter Elektronik ersetzen – und entwickeln in solchem dreifaltigen „freien Fall“, wie sie das nennen und ihren Bandnamen davon herleiten, eine von Genre- und anderen Grenzen befreite Leichtigkeit. Schon im Opener „Elevation Of Love“ wird das deutlich, wo sie nicht bloß den im (Frei-) Geiste verwandten Esbjörn Svensson covern, sondern dessen spezifisch Nordisches in noch raueren Groove bringen. Um uns im zweiten Stück, das den weiten Bogen nach „Alexandria“ spannt, direkt in den Orient zu katapultieren.

Die nächste Befreiung der „stillen Nacht“ besorgt die deutsch-kongolesische Sängerin Melane Nkounkolo als Vierte im funky Bunde. Ihre strahlende Stimme und ihr Gospel-Enthusiasmus zeigen, was Weihnachten eigentlich ist – ein Freudenfest. Oder auch: „Everything ’s Gonna Be Alright“, wie schon Bob Marley wusste. Nicht minder hoffnungs- und freudevoll, selbst wenn es um ihren früh verstorbenen Vater geht, sind Melanes eigene Songs, die sie auf Lingala, ihrer kongolesischen Muttersprache, singt und mit der elektronisch verstärkten und zum Synthie-Beat konvertierten Kalimba begleitet, wozu die Bläser kongenial „ploppen“, mit den Klappen der Bassklarinette und der Posaune als sensibler „Hupe“.

Der Präsident des Landeskirchenamts der Nordkirche, Prof. Dr. Peter Unruh (3. v.l.), überreichte dem Jugendtreff am Wasserturm einen Spendenscheck. Karin Kathe (1. v.l.), Leiterin des Jugendwerks des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Altholstein, drei aus Syrien geflüchtete Jugendliche, Julia-Katharina Stark (2. v.l.) und Malte Casper vom Jugendtreff bedankten sich beim Publikum für die Spende.

Melanes Aufforderung, beim Gospel „Thank You“ mitzutanzen, folgt das Publikum in der gut besuchten Nikolai-Kirche zwar nicht – aber nur, weil es so gebannt ihrer Stimme lauscht, dass man das Tanzen glatt vergisst. Genauso bei Til Schneiders Solo über das Thema von „Stille Nacht“, das er klangeffektvoll (Elektronik und Singen in die Posaune) von allem bloß besinnlichen Staub befreit.

Funk, Soul und Gospel im ungemein groovenden Mix auch im letzten Stück des Quartetts, dem die vielleicht schönste Zugabe folgt: Einen Scheck über 1.000 Euro konnte das Landeskirchenamt dem Jugendtreff am Wasserturm überreichen: für die Arbeit mit jungen Flüchtlingen, die eine fruchtbare Kulturbegegnung quer über Grenzen und Kontinente ist – wie die von Three Fall und Melane.

Infos und Hörproben: threefall.de