Das Jazz-Quintett Flickstick mit neuer CD im Groove Center Kiel

Von Jörg Meyer

Kiel. Frischer geht’s nicht: Ein flinker Bote bringt die eben aus dem Press-Werk geschickte CD des Jazz-Quintetts Flickstick in das Groove Center Kiel. Doppelpremiere also – für das nach „Hymn“ (2014) zweite Album der Jazz-Baltica-Förderpreisträger 2012 um die Berliner Saxofonistin Birgitta Flick und die aus Kiel stammende Hamburger Posaunistin Lisa Stick sowie für das erste Foyer-Konzert im Groove Center.

Flickstick präsentierten ihr jüngstes Album im Groove Center Kiel (Foto: ögyr)

Das Quintett (neben Flick und Stick der finnische Gitarrist Aleksi Ranta, aus Nordschweden Drummer Christian Augustin und am Bass vertretungsweise Lisa Wulff) pflegt die „nordische“, auch gern mal als „Jazz-Baltica-Sound“ titulierte Spielart, wobei „pflegt“ eigentlich nicht das richtige Wort ist. Die Band surft eher auf der nordischen Welle, schiebt sie mit eingängigen, fast poppigen Tunes an, um sie in den folgenden Impros free-jazzig wild brechen zu lassen.

Frisch spritzt solche Gischt schon in „Opening“, das erst ganz ruhig im warmen Unisono von Saxofon und Posaune anhebt, sich dann enorm steigert, um schließlich sanft in einem Blue-Note-freien Dur-Akkord auszuklingen, als wäre nichts gewesen. Solche (Ent-) Spannungsbögen finden sich auch in „Matt“. Wortspiel inklusive ist das nicht nur wie „Für Paul“ und „Für A, F & L“ ein Widmungsstück für befreundete Kollegen, sondern ursprünglich eine Skizze für eine Session. „Ich fügte später ein paar Akkorde hinzu“, verrät Stick bescheiden. Aber entstanden ist eine kleine feine Jazz-Sinfonie.

Auch „Diebesgut“, das mit seinem hard-boppenden Riff sofort die Füße mitwippen lässt, ist quasi „zufällig“ entstanden. Den Tune, der ihr da im Kopf rumspukte, konnte Stick aber niemandem zuordnen. War wohl doch eine Eigenschöpfung, die beim Publikum ein begeistertes „Toll geklaut!“ hervorruft.

Der Wechsel zwischen eingängiger Melodie, die trotz ihrer vorsichtig tastenden Zwei-Taktigkeit ungemein swingt, und aufbrausendem „Gefrickel“ in den Improvisationen prägt auch die übrigen Stücke wie das geschmeidige „Parent Scales“ – und als Zugabe „Der Mond“, bei dem das Volkslied irgendwo zwischen den wilden Wellen vertraut „aufgeht“.

Die neue CD „Flickstick“ ist bei verlag.wismart.de erhältlich.
Infos und Hörproben: www.flickstickband.com