Die Konzertreihe Neue Musik Eckernförde erforschte „mobile elements“

Von Jörg Meyer

Eckernförde. Neue Musik, wie sie die Konzertreihe „Neue Musik Eckernförde“ präsentiert, kommt oft aus der Stille, bewegt sie aber in die Mobilität des Ekstatischen, macht also die leisen Töne mobil für die krachend lauten. Unter dem Motto „moblie elements“ brachte das Ensemble reflexion K in großer und kammermusikalisch kleiner Besetzung das Neueste der Neuen Musik auf die Bühne in der St. Nicolai-Kirche.

Erinnern wir uns an das Laute und zugleich Leise, gehen wir mit der aus dem Iran stammenden Komponistin Elnaz Seyedi in eben diesen Zwischenraum. Ihre „Fragmente einer Erinnerung“ erstasten Perspektiven, nehmen sie unter die Lupe des Klangs dichten Gewitters, schwingen zwischen Sphären himmlischer Höhe und der Abgrundtiefe der – ja, sagen wir mal – Hölle.

Zwei Botschafter des Lauten im Leisen: Elnaz Seyedi und Gerald Eckert. (Foto: ögyr)

Und folgen wir den Gegensätzen von Verdichtung und Verdünnung auch in Pablo Arayas „Anábasis – Ayahuasca“, wo der Komponist den Bogen spannt zwischen Fernost und weit West, über einen halben Erdkreis also. In dem, gerade mal zwei Minuten kurz, zwitschern Vögel, hecheln Zischlaute, wie hernach in Gerald Eckerts „Interception“, wo im Leisen die Obertöne von Cello-Flageoletts wispern, das Laute aber gongt im dumpfen Grollen.

Das ist Erforschung eines Interims, bei Steffen Krebber fast schon komödiantisch. „Aufstieg und Fall außerweltlicher Flug- und Kriechtierattrappen“ benennt er seine Komposition, die wie ein modernes „Dschungelbuch“ anmutet, so sehr und fröhlich wirr wird hier gegluckst, gebellt, gesummt und gezirpt. Eben wie Tiere tun, seien sie hochtönend beflügelt oder tiefirdisch im Klanggrund grabend.

Nicht minder kratzend, schabend, knarrend und insektenflügelnd sind die elementaren Klang-Momente, die Joanna Wozny in ihren „mobile elements“ versammelt. Darin wird „tierisch“ aus dem und in das Dunkel gegrunzt, flattern die Flageoletts in ein Anderland, das seine Klänge zumal in der räumlichen Aufteilung der Instrumente aufspannt.

Dabei bleibt alles „offen – fin des terres“, wie es Gerald Eckert ans offene Ende bringt. Am Anfang steht der Atem, Hauch. Schütter ist er, verdichtet sich wird aus dem Leisen laut und aus dem Flüchtigen die sichere Botschaft. Wohin? Dass Neue Musik in allem ihrem vielleicht Unverständigen neue Horizonte öffnet – ins erlebbar Gegenwärtige und dessen Erinnerung des Lautens des Leisen.