Patrick Salmen las in der Pumpe aus „Treffen sich zwei Träume. Beide platzen“

Von Jörg Meyer

Kiel. Humor muss man nicht erfinden, er liegt auf der Straße, man muss ihn nur auflesen. So auch der Dortmunder Slam-Poet und Kabarettist Patrick Salmen in seinem neuesten Buch „Treffen sich zwei Träume. Beide platzen“, aus dem er in der Pumpe las und auch munter darüber parlierte.

Denn oft ist der Alltag, den Salmen mit stets gespitztem Notizstift beobachtet, noch absurder, als man sich ihn ausdenken könnte. Es genügt, sich in ein Café zu setzen, vorzugsweise „in einem gentrifizierten Viertel“, und Gesprächen zu lauschen: „Konstanze, die Sojamilch flockt“, heißt dann Salmens entlarvender Seitenhieb auf „den urbanen Kaffeekult“ und „Smoothies süffelnde Health Angels“. Achtung, kein Druckfehler, sondern eines von seinen kalauernden Wortspielen, die er sich nicht nur für die Namen von Bars und Friseuren wünscht, sondern auch für Seniorenheime: „Steuerung, Alt und Entfernen“ fallen ihm dafür ebenso ein wie „Senil und die Detektive“ oder „Gicht und Schatten“. Klar ist das „krass“ (Salmen: „Ich habe mich in Jugendsprache geübt“). Aber Satire darf das.

Patrick Salmen lauscht u.a. in Cafés der Absurdität des Alltags (Foto: Fabian Stuertz)

„Ich steigere mich da immer etwas hinein“, bekennt er. Aber was soll man machen, wenn der Alltag so absurd ist? Auch beim Charakterstudium bei Mitfahrgelegenheiten, im Zug oder auf dem Spielplatz im Akademikerviertel, wo ein Kind „Batman“ spielt, das andere „Hannah Arendt“ und wieder ein anderes auf dem stehenden Bobbycar „Stau“.

Kindermund tut Wahrheit kund. Nicht anders Trash-TV, das Salmen „gern etwas intellektueller“ hätte, zum Beispiel mit Shows wie „Ich bin ein Sartre, holt mich hier raus!“ Könnte er ein „Influencer“ werden, wie das neudeutsch heißt? Aber als Autor von Sachbüchern für alle lebensbejahende Lagen fiele ihm auch nur der Internet-Ratgeber „Ein Browser ist kein Duschkopf“ ein.

Und da sich „Zynismus nicht bei Lieferando bestellen lässt“ und man gegen die Inflation von hippen Burger-Shops ohnehin machtlos ist, verlegt sich Salmen am Ende statt auf Pointen aufs Poetische. Ganz ohne Lacheffekte, dafür geradezu lebensweise sind seine Gedichte aus „Zwei weitere Winter“. Da wird der notorische Kalauerer auch mal politisch – gegen Rechtsruck und die absurde AfD.

Infos: www.patricksalmen.de