Die Zucchini Sistaz mit „Falsche Wimpern – echte Musik“ im Lutterbeker

Von Jörg Meyer

Lutterbek. Bei grünen Gemüsen kann man schon mal durcheinander kommen. So kolportieren die Zucchini Sistaz, dass eine Kartenvorbestellerin im gut besuchten Lutterbeker für die „Broccoli Sistaz“ gebucht hatte. „Hauptsache grün“, lacht Gitarristin Tina Werzinger, neben Jule Balandat (Kontrabass) und Multiinstrumentalistin (Trompete, Autohupe, Posaune, Klarinette, Akkordeon, Glockenspiel) Sinje „Schnittchen“ Schnittker im swingenden und in beherzter Close Harmony singenden Trio aus Münster.

„Gemüsikalisch“, fiel einer Kritikerin dazu treffend ein, denn die „Damenkapelle“, wie sich die Drei in modischem Grün – „grüner als der Kleingartenverein“ – bescheiden nennen, ist alles andere als grün hinter den Ohren. Vielmehr mixen sie Swing-, Jazz- und Boogie-Klassiker mit Eigenkompositionen im gleichen Habit und Texten, die nicht nur in Comedy, sondern auch im Kabarett bestehen können. Echte Musik also, da goutiert man die aufgedonnerten falschen Wimpern mit einem Schlag derselben.

„Falsche Wimpern – echte Musik“, das 4. Programm der Zucchini Sistaz (Foto: Peter Wattendorff)

Mit „Don’t Sit Under The Apple Tree“ von den Andrews Sisters macht das „Früchtchen“-Trio nah am Original auf. Weiter fällt der Apfel vom Stamm, wenn sie Peggy Lees „Fever“ ins selbe Beet, genauer: den selben Beat, wie die Titelmusik der Bond-Filme pflanzen, Schnittchens „mannigfaltige Posaune“ zunächst nur im artigen Zwei-Ton-Loop, dann virtuos jazzy und zum Mitschnippsen.

Manche solcher Kreuzungen bleiben bewusst unvollendet, etwa im Lied ohne Worte, das vom bewegten Scat-Gesang dann doch zu seinem Text findet, nämlich dass es (noch) keinen hat. „Kein Wort von Liebe kommt darin vor“, feixen die drei Damen – um gleich darauf ein Liebeslied anzustimmen. Freilich gegen jeden Herzschmerztakt, der eben nicht swingt. Zur Liebe gehört nämlich die Trennung wie die Gemüsewurzel zum welkenden Blatt. „Haaresbreite“ heißt es und enthält so bissige Verse wie „Mein hungriges Herz hast du satt“, „Du willst die Haaresbreiten immer weiter spalten“ oder „Dein schwarzer Humor ist mir zu hell“.

Bevor da Pessimismus aufkommt, wird Schnittchen an die „Schwarzwurzel“ – auch Klarinette genannt – gebeten. „Night And Day“, gewürzt mit einem ähnlich blühenden Beatles-Motiv, kommt damit wie frisch vom Gemüsebeet geerntet daher. Und wenn dann der zögernde Egon zum überfälligen Ja-Wort genötigt wird, grünt auch der Liebstöckel im Gemüsegarten, und das Publikum skandiert „Ja, ich will, ja!“

Infos und Hörproben: www.zucchinisistaz.de