Carmela de Feo mit „Die Schablone, in der ich wohne“ im KulturForum

Von Jörg Meyer

Kiel. „Wie kommt dieses hässliche Entlein in diese Kulturmetropole?“, fragt sich die „außeritalienische“ Musikkabarettistin Carmela de Feo im KulturForum, das so einen „hübschen Volkshochschulen-Charme“ ausstrahle. Am Mittwoch war solches auf Einladung des Metro-Kinos ihre „Schablone, in der ich wohne“, so der Titel ihres neuen Solos.

In dem geht es um die Querständigkeit des in all seinen stand-up-komischen, verbalen und musikalischen Verrenkungen gar nicht so „hässlichen Entleins“ – und um all die „schrägen Vögel“, die wir doch alle sind. Virtuos spielt „La Signora“, de Feos Figur, im langen Schwarzen wie eine Nonne „geschlossen bis zum Hals, ansonsten allem Neuen gegenüber aufgeschlossen“ und wild wie ein Derwisch in der mimischen Gestaltung mit dem Publikum.

La Signora wild und wirr – und doch in sich ruhend (Foto: Olli Haas)

Wer hier in den ersten Reihen sitzt, wird erbarmungslos angespielt, die Vertreter unserer Zeitung nicht ausgenommen, für die sie gern in pantomimischer Zeitlupe poset. Nicht bloß um eine gute Figur zu machen, sondern quasi als Karikatur des Show-Biz und seiner Echos bei der schreibenden und fotografierenden Zunft. Und ihrer Figur, die sie doppelbödig clownesk immer wieder bricht. Mal ist sie der aufsässige Pinocchio, der uns wie der Narr in der Commedia dell’arte seine lange Nase zeigt, mal die Diva mit wahrhaft großer Stimme oder einfach die Straßenmusikerin, die am Akkordeon Hit nach Hit mit neuem Text durch den bittersüßen Kakao zieht.

Casanova, „1,20, doch voller Liebe“ und Napoleon, „1,30 und voller Hass“ sind dabei – ironisch freilich – Gewährsleute des „kleinen Mädchens von der Ruhr, diesem Ballungsgebiet der Provinz“, welche Herkunft sie im doppelten Wortsinne dialektisch nicht verhehlt, wenn sie schreit, wirr wimmert und hysterisch keift: Frau ständig am Rande des gespielten Nervenzusammenbruchs, die den Diesel-Skandal zur Melodie von „Azzuro“ auf „Abgase sind meine Schnüffeloase“ reimt. Oder dem naiven Pokemon-Go-Wahn selbst Erwachsener die Abzählreime aus ihrer Kindheit entgegensetzt – als eingängigen Pop-Song, vom Publikum begeistert mitgesungen.

Statt der Bühne, die sie immer wieder für Ausflüge mitten hinein verlässt, ist das Publikum Teil der Inszenierung. Es wird befragt, decouvriert, auch mal eifernd beschimpft. Und ist hingerissen von La Signoras Elogen über den Internet-fähigen Thermo-Mix wie über den Gas-Grill namens „Genesis“. „Gott ist ein Griller“, weiß de Feo und macht dem Schöpfer wie dem Manne gleich Feuer unterm Hintern. Genauso der mörderischen „Schrankwand Karla“ in ihrem improvisierten Krimi, begleitet von TV-Melodien von „Derrick“ über „James Bond“ bis zur „Schwarzwaldklinik“.

Das ist so wundervoll wild und wirr, dass das Publikum sie erst nach drei Zugaben von der „Schablone, in der ich wohne“, entlässt.