Mit der Präsentation „Image not available“ verabschiedet sich die Kieler Universitätsbibliothek (vorerst?) von ihrer langjährigen Ausstellungspraxis

Von Hannes Hansen

Foto: Hansen

Kiel. Der Besuch der Kieler Universitätsbibliothek lädt wieder zu einer Schatzsuche für Bücherfreunde ein. Dr. Klára Erdei, als Fachreferentin unter anderem für die Altbestände der Bibliothek zuständig und seit 2001 engagierte Ausstellungsmacherin, breitet mit der Präsentation „Image not available“ in den Vitrinen im Foyer noch einmal und absehbar zum letzten Mal aus, was die zweitälteste Universität des Königreichs Dänemark an Buchschätzen aus über eintausend Jahren zu bieten hat.

Schleswig-Holsteinisches ist zu sehen, wie die Bordesholmer Marienklage des Chorherrn Joannes Reborch von 1475/76, ein geistliches Spiel in mittelniederdeutscher Sprache. Die reich mit Landkarten und Stadtansichten bebilderte Landesbeschreibung „Cimbriae Chersonesi descriptio nova“ des Statthalters Heinrich Rantzau aus dem Jahre 1597 fehlt ebenso wenig wie die Kieler Chronik des Bürgermeisters Asmus Bremer.
Die Abhandlung des spätrömischen Gelehrten Boethius „De sancta trinitate“ über die heilige Dreifaltigkeit ist mit einer Abschrift aus dem neunten Jahrhundert die älteste Handschrift im Besitz der Universitätsbibliotek. Eine der schönsten, eine wahre Preziose  der Buchkunst, ist ein prachtvoll illustriertes Stundenbuch in niederdeutscher Sprache aus dem 15. Jahrhundert, ein Gebet- und Andachtsbuch für das Stundengebet.
Und und und. Noch einmal präsentiert Dr. Klára Erdei mit einer bucharchäologischen Tiefenbohrung exemplarisch eine über tausendjährige Kulturgeschichte des Buchs, noch einmal haben die Besucher der Universitätsbibliothek die Gelegenheit, einem, glaubt man den Auguren der Digitalisierung, bedrohten Kulturgut, die Reverenz zu erweisen.

Foto: Hansen

Mit „Image not available“ ist es in Zukunft vorbei mit Ausstellungen, zumindest mit Ausstellungen dieser Art mit Büchern und künstlerischen Buchobjekten – auch diese gab es immer wieder in der fast zwanzigjährigen Ausstellungsgeschichte der Universitätsbibliothek. Die stellt sich, wie es so schön im Managerdeutsch heißt, neu auf, und wird wie die Landesbibliothek zum „Digitalen Knotenpunkt“. Die Vitrinen verschwinden, und wo sie noch bis zum 31. Dezember die Neugier Bibliophiler befriedigen, soll bald eine „open lounge“ mit Sofas und Sesseln die Studierenden zum gemütlichen Schwätzchen einladen. Chillen statt Bildung, Google statt Bücher heißt die neue Devise. Arbeit, womöglich gar anstrengende, an der eigenen geistigen Entwicklung und Horizonterweiterung will man offensichtlich den heute Studierenden nicht zumuten. Zwar hört man, nach jahrelangen Umbauarbeiten werde man Ausstellungen möglicherweise und irgendwie, Genaues wisse man nicht, und Platz, ja Platz sei vorerst nicht vorgesehen, also noch sei nichts entschieden und Ausstellungen zu dem Thema, mein Gott, wer braucht die schon.
Engagement für das Buch hört sich anders an. Vielleicht sollte man die Verantwortlichen einmal daran erinnern, das das Wort „Bibliothek“ aus dem Griechischen stammt und Aufbewahrungsort für Bücher (biblía) bedeutet. Sollten es CDs oder andere digitale Medien sein, hieße es Diskothek.