Ein kleines Zwischenfazit

Von Helmut Schulzeck

Kiel. 32 Bäume und weitere Anpflanzungen sollen die steinerne Wüstenei rund um die beiden neuen Betonbecken, die den so genannten „Kleinen Kiel Kanal“ bilden, verbrämen und ein Gegengewicht setzen, gegen ein Musterbeispiel der uninspirierten neueren Stadtgestaltung Kiels, für die der von den KN euphemistisch als „Holstenfleet“ betitelte städtebauliche Offenbarungseid geradezu herausragend steht. Ein Konstrukt, das sich an standardisierten Spielen in Beton mit etwas Stahl, Klinker und Holz abarbeitet und darauf hofft, dem Ganzen anschließend mit etwas Natur, Gastronomie und verweilendem Publikum dennoch Leben einhauchen zu können.

Aber mal sehen, vielleicht freuen sich ja alle in ein paar Monaten über des Kaisers neue Kleider und werden zu Nudistenfreunden. Oder meine Einschätzung erweist sich als falsch, und ich freue mich nichtsdestotrotz mit allen anderen. Im Grunde genommen ist das Projekt zum Erfolg verdammt, wenn man bedenkt, mit welch einem politischen Einsatz sich nicht nur die Kieler Stadtoberen für das Beckenensemble eingesetzt haben, trotz der mit neun Millionen Euro enormen Überschreitung des ursprünglich veranschlagten Finanzrahmens von elf Millionen und einer Gesamtbauzeit von voraussichtlich mindestens drei Jahren. Denn ob das von Stadtregierung und Wirtschaft mit vielen Vorschusslorbeeren versehene vermeintliche Vorzeigeprojekt nun tatsächlich wie vorgesehen noch im August fertig wird, bleibt abzuwarten. Zu oft wurden Termine nicht eingehalten.

Zwei Dinge prägen die kühle Optik des baulich schon weit hergerichteten „Tatorts“. Zum einen dominiert eine großzügig bemessene Buspiste das bisher sichtbare Ergebnis der gesamten gestalterischen Bemühungen auf Höhe der Holstenbrücke und drängt mit seiner weiten Leere das westliche Wasserbecken geradezu an den Rand und weist ihm so, betrachtet man die Proportionen, fast eine Nebenrolle zu. Ganz abgesehen davon, dass dieser Busweg die angestrebte Verkehrsberuhigung und damit auch die versprochene Bewegungsfreiheit der Fußgänger ad absurdum führt, indem er den neu geschaffenen Raum zerschneidet und ein gewisses Gefährdungspotential birgt.

Zum anderen lässt sich die kalte Kahlheit des ganzen Ensembles (bisher jedenfalls) kaum verstecken. Zu brutal beherrscht der Beton die Szenerie mit einer geradezu spröden Atmosphäre und straft die großsprecherischen Ankündigungen der Stadt Kiel Lügen. So bleibt nach all den Jahren, in denen der Berg kreiste, (vorerst?) nur eine hässliche Maus, über deren Nutzen erst später zu urteilen sein wird.

Bleibt als Trost für alle Skeptiker, dass sich vielleicht die Bevölkerung diese Betonbecken im Laufe der Zeit einverleibt, wie sie es schon erfolgreich mit dem Alten Bootshafen gemacht hat, der ja bei Lichte betrachtet auch keine Schönheit ist.