Schritte aus der Verbotszone: Kiels „Komödianten” gehen mit Miniaturen vor die Tür

Von Christoph Munk

Kiel. Klar, dass Markus Dentler nicht ewig stillhalten und sich unter den Bedingungen der Corona-Pandemie am Theaterspielen hindern lassen würde. Lange trug ihn die Hoffnung, er könnte mit seinen „Komödianten“ ab Mitte Juli im Innenhof des Kieler Rathauses wie in jedem Jahr Saint-Exupérys „Der Kleine Prinz“ aufführen. Nachdem er diesen Plan aufgeben musste, geht er mit einem anderen Projekt an die Öffentlichkeit: „Theater to go“ – Straßentheater zum Abholen im Vorbeigehen.

Lässt sich das Theaterspielen nicht verbieten: Markus Dentler.

„Wenn man mir verbietet, mein Theater zu betreiben, macht man mich nicht arbeitslos, sondern man erteilt mir Berufsverbot“, hat es der Komödianten–Direktor formuliert. Daraus spricht der Stolz des Profis und des selbständigen Unternehmers. Und gleichzeitig der trotzige Wille, sich mit den Verhältnissen nicht ohne weiteres abzufinden. Also greift er kurz entschlossen eine Idee der Schauspielerin Rafaela Schwarzer auf und verlässt zwar die Bühne im geschlossenen Raum, bleibt aber spielend zuhause. Die beiden Darsteller und der Musiker Tillmann Dentler benutzen die Türen des Komödianten-Gebäudes und wenden sich den Zuschauern draußen zu.

„Theater to go“ nennt er die Performance, die am Donnerstag, 28. Mai, von 16 bis 17 Uhr jeweils eine Handvoll von Besuchern auf eine kleine Runde lockt: An der ersten Station werden Getränke gereicht; in der zweiten Tür sorgt Tillmann Dentler am Klavier für musikalische Stimmung. Um die Ecke wird der eigentliche Eingang zum Bühnenhaus sichtbar und dort werden Rafaela Schwarzer und Markus Dentler im Wechsel kurze Szenen aufführen, gewissermaßen Miniaturen zum Ansehen und Mitnehmen. Dabei sein können je nach Haushaltszugehörigkeit zwei bis vier Besucher, denn die vorgeschriebenen Mindestabstände werden ebenso eingehalten wie das erforderliche Hygiene-Konzept.

Ist mit einem eigenen Text über die Liebe dabei: Rafaela Schwarzer

Die Auswahl der Darbietungen erfolgt mit Bedacht und Hintersinn. Rafaela Schwarzer gestaltet einen eigenen Text zu einem Thema, das so ewig und gültig ist wie das Theater: die Liebe. Und Markus Dentler kniet sich mit Vehemenz an ein Solo, das er sich auf den Leib geholt hat: den Striese-Monolog aus „Der Raub der Sabinerinnen“, jenes kämpferische Plädoyer für die „Schmiere“, das scheinbar kleine Komödien-Spiel mit den unermesslich großen Möglichkeiten. Kurz (jeweils  drei bis vier Minuten Spieldauer) und kurzweilig soll es bei diesem „Theater to go“ zugehen. Denn wenn der erste  Zuschauerschwung seinen Durchlauf absolviert hat, sollen die nächsten Kunden bedient werden – bei freiem Eintritt und erhoffter Spendierlaune.

Der Schritt mit dem eigenen Theater vor die eigene Haustür bedeutet für Markus Dentler einen Schritt aus der Verbotszone. Denn die strengen Abstands-Regelungen zu Corona-Zeiten bedeuten für ein Privattheater vom Zuschnitt der Komödianten keine Chancen für einen wirtschaftlichen Betrieb und somit ein Auftrittsverbot.

Mehr Möglichkeiten hätte eine Aufführungs-Serie „Der Kleine Prinz“ im Innenhof des Rathauses geboten: Eine weite Bühnenfläche, auf der die Schauspieler Abstand halten können, ausgedehnter Platz für locker gruppierte Zuschauerstühle, ausreichende Belüftung unter freiem Himmel, machbare Hygiene-Bedingungen. Doch Markus Dentler musste vor allem vor der pauschal und strikt begrenzten 50-Zuschauer-Zahl kapitulieren. Ohne Aussicht auf eine denkbare Lockerung der Vorschriften in den nächsten Monaten und ohne Zusagen finanzieller Hilfen musste er das wirtschaftliche Risiko scheuen.

„Theater to go” vor dem Theater Die Komödianten; Wilhelminenstr. 43, 24103 Kiel; Donnerstag, 28. Mai, 16-17 Uhr