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Autor Christoph Munk

Wie uns die Bilder vom Krieg erreichen

„Die Trojaner” von Hector Berlioz in der Kieler Oper – Anmerkungen zu Alexandra Liedtkes Inszenierung

Von Christoph Munk

Kiel. Es geht – wie so oft – um eine Liebe im Schatten des Krieges. Doch diesmal steckt mehr dahinter: Denn hier wird vom Schicksal eines ganzes Volkes erzählt und von der Nichtigkeit menschlichen Strebens unter der Allmacht der Götter. „Die Trojaner“, die Grand Opéra  von Hector Berlioz, fordert in ihrer tragischen Wucht und musikalischen Opulenz immense künstlerische Kräfte – eine Herausforderung, die Gastregisseurin Alexandra Liedtke und der Stellvertretender Generalmusikdirektor Daniel Carlberg im Kieler Musiktheater imposant bestehen.

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Tricksen, Tarnen, Täuschen

Mit Risiko zum Leerlauf: Olaf Strieb inszeniert im Kieler Opernhaus „Die Fledermaus“ von Johann Strauß

Von Christoph Munk

Kiel. Reinfeiern, Feiern, Rausfeiern. Nach so einem Dreiertakt ausgelassener Festivitäten lässt sich auch „Die Fledermaus“, die grandiose Operette von Johann Strauß, zelebrieren. Das kann dank musikalischer Opulenz und szenischem Glanz gelingen. Für das eine sorgt in der Kieler Neuproduktion Daniel Carlberg mit dem Philharmonischen Orchester und dem Opernchor, für das andere sind Regisseur Olaf Strieb und sein Ausstatter Heiko Mönnich zuständig, die mit ein paar Novitäten überraschten und doch dem überwiegenden Teil des Premierenpublikums jubelnden Applaus entlockten.

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Präzis erinnert, frei erfunden

Hannes Hansen stellt im Literaturhaus Schleswig-Holstein seinen Roman „Jenes volle satte Gelb” vor

Von Christoph Munk

Kiel. Der Buchtitel ist trügerisch: „Jenes volle satte Gelb“ scheint auf eine Stadt hinzuweisen, für die diese Farbe kennzeichnend ist. Doch der Autor wendet ein, der Ortsname werde in seinem Roman niemals genannt. Richtig. Aber als er ihn jetzt im Kieler Literaturhaus vorstellte, wissen viele seiner Zuhörer, dass Hannes Hansens literarische Reise zwar in die eigene Geburtsstadt, aber nicht vollständig in die eigene Vergangenheit führt: Es geht zwar unübersehbar um Potsdam, aber aufgedeckt werden allenfalls ein paar Brocken Lebenserinnerung des Autors.

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Machtspiel auf der Kippe

Jule Gröning inszeniert im Kieler Schauspiel-Studio David Mamets „Oleanna”

Von Christoph Munk

Kiel. Man braucht die aktuell aufgeladene #meetoo-Debatte nicht, um die Brisanz von David Mamets „Oleanna“ zu begreifen. Der schon 1992 uraufgeführte Bühnen-Dialog zwischen einem Professor und seiner Studentin funktioniert als Machtspiel auf akademischen Gelände – mit unerwartetem Ergebnis. Das führt die junge Regisseurin Jule Gröning mit einer konzentrierten Inszenierung im Studio des Kieler Schauspiels vor und sichert sich damit zustimmenden Premierenbeifall.

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Kopf über Herz

Der griechische Operndesigner Paris Mexis unterwirft Donizettis „Lucia di Lammermoor” einem strengen Konzept

Von Christoph Munk

Kiel. Ursprünglich entspringt die Tragödie einer jungen, um ihre Liebe betrogenen Frau dem ritter-romantisch wilden Schauerroman des Schotten Walter Scott. Der Italiener Gaetano Donizetti verwandelte den Stoff in das melodienselige, herzzerreißende  Belcanto-Spektakel „Lucia di Lammermoor“, dem nun der griechische Theater-Designer Paris Mexis im Auftrag des Kieler Musiktheaters ein kühl kalkuliertes Konzept verordnet, ein Planspiel, in dem immense Gefühle schematisch in Farben und Formen aufgelöst werden.

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Der verzagte Andenkenverwalter

Szenisch nüchtern, musikalisch opulent: Korngolds Geniestreich „Die tote Stadt” im Kieler Opernhaus

Von Christoph Munk

Kiel. Ein Opernerlebnis der krassen Gegensätze: Unten im Orchestergraben entfacht Generalmusikdirektor Benjamin Reiners mit den Kieler Philharmonikern einen  wuchtigen Orkan der Gefühle. Oben auf der Bühne weht unter der Anleitung der jungen Gastregisseurin Luise Kautz eine bescheidene Böe durch den bürgerlichen Alltag. Erich Wolfgang Korngolds „Die tote Stadt“, der frühreif aufgewühlte Geniestreich eines eben über 20-Jährigen, zeigt sich mit Sängerdarstellern bestückt, die bei hoch anständigen Gesangsleistungen in musterhaften Figuren feststecken.

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Auf Tanzbeinen in die Herzen der Fans

Im pulsierenden Gershwin-Sound: „Ein Amerikaner in Paris“ auf der Kieler Opern-Bühne

Von Christoph Munk

Kiel. „Ein Amerikaner in Paris“: Einen langen Weg hat er zurückgelegt, ehe er bühnenreif wurde. 1928 in einem einem sinfonischen Konzertstück von George Gershwin erdacht, wurde er zum Titelhelden eines Hollywood-Musicalfilms und feierte erst 2014 eine Wiedererweckung – auf der Musical Bühne in Paris. Nun findet der singende und tanzende Ex-GI und hoffnungsvolle Maler direkt in die Herzen des Kieler Publikums – dank einer zündenden Inszenierung von Ricarda Regina Ludigkeit und dem begeisternden Dirigat von Daniel Carlberg.

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Die große Jeder kann mitmachen-Show

„sommeroperKIEL”: Giuseppe Verdis Spätwerk „Aida” als tolles Betriebsfest der Firma Karasek”

Von Christoph Munk

Kiel. „Moin Aida“ – das Werbebanner am Zaun bringt es auf den Punkt: Auf dem  Rathausplatz wird unter dem Label „sommertheaterKIEL“ eine Verdi-Oper salopp vermarktet und solide ausgeführt. Da weiß man was man kriegt: die populäre  Geschichte von einer tragischen Liebe im Schatten des Krieges, erzählt in bunten Bildern und aufwendigen Aktionen, unter massivem Personaleinsatz einschließlich erstklassiger Solisten und unterfüttert mit süffiger, wohlig schwelgender oder dramatisch ausbrechender Musik. Kann man von einem Open Air Event mehr erwarten?

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Do It Yourself als Arbeitsanweisung

„Hammer”: Liederabend-Spezialist Franz Wittenbrink entwickelt mit dem Kieler Schauspiel-Ensemble einen bunten Abend

Von Christoph Munk

Kiel. Der Heimwerkermarkt – das ist des Bürgers Heimatland. Selbermachen ohne fachliche Ahnung. Da kann jeder seinem Sparzwang folgen und gleichzeitig das männliche Ego  bedienen. Dieser Spur folgt „Hammer“, der neue Liederabend des Genre-Spezialisten Franz Wittenbrink im Kieler Schauspielhaus. Unter seiner Regie durfte sich das Ensemble singend, spielend, improvisierend einbringen –  mit spürbarer Lust an Theaterhandwerkerei und zum sichtlichen Vergnügen des applausfreudigen Publikums nach der Uraufführung.

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Blättern im Album eines Familienlebens

Dariush Yazdkhasti präsentiert „Mary Page Marlowe – Eine Frau“ im Kieler Schauspiel

Von Christoph Munk

Kiel. „Ich hatte ein gutes Leben. Von den Sachen, die ich machen wollte, hab ich viel gemacht.“ Als Mary Page Marlowe in dieser Überzeugung spricht, ist sie 69 Jahre alt und bereit zu sterben. Doch das Ende ihres Lebens markiert nicht das Finale des Theaterstücks, das ihren Namen im Titel führt. Viel mehr platziert sein Autor, der Amerikaner Tracy Letts, die Erkenntnis ins Zentrum einer fiktiven Frauenbiografie, die auf der Bühne keiner Chronologie folgt und doch eine gewisse Logik erkennen lässt. Dariusch Yazdkhasti erzählt sie in seiner Inszenierung für das Kieler Schauspiel unangestrengt und doch voll konzentrierter Spannung.

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