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Kategorie Schauspiel

Strenge Regeln erzwingen kleine Formate

Kleckern statt Klotzen: Das Kieler Theater plant seine kommende Spielzeit unter Corona-Verhältnissen

Von Christoph Munk

Kiel. In seinen schönsten Träumen entwirft das Theater seine eigene, andere Welt, im Idealfall eine Utopie. Doch angesichts irdischen Realitäten einer wuchernden Virus-Pandemie müssen auch die Darstellenden Künste ohnmächtig auf dem Boden der Tatsachen verharren. Und so bleibt auch den Kieler Bühnen keine andere Wahl, als ihre Pläne für die kommende Spielzeit nach den Bedingungen der Corona-Krise auszurichten. Nicht wegen herrschender Ängste oder ahnungsvoller Bedenklichkeiten, sondern gegen konkret erlassene Hygiene-Vorschriften setzt darum Generalintendant Daniel Karasek mit seinen Programmen ein knappes, aber vielfältiges Lebenszeichen – gegen Regeln, „die für uns tödlich sind“.

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Statt „Der Kleine Prinz” gibt es „Theater to go“

Schritte aus der Verbotszone: Kiels „Komödianten” gehen mit Miniaturen vor die Tür

Von Christoph Munk

Kiel. Klar, dass Markus Dentler nicht ewig stillhalten und sich unter den Bedingungen der Corona-Pandemie am Theaterspielen hindern lassen würde. Lange trug ihn die Hoffnung, er könnte mit seinen „Komödianten“ ab Mitte Juli im Innenhof des Kieler Rathauses wie in jedem Jahr Saint-Exupérys „Der Kleine Prinz“ aufführen. Nachdem er diesen Plan aufgeben musste, geht er mit einem anderen Projekt an die Öffentlichkeit: „Theater to go“ – Straßentheater zum Abholen im Vorbeigehen.

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Der mit dem Aufzug redet

Im Polnischen Theater ist Tadeusz Galia „Der Liftverweigerer“

Von Hannes Hansen

Kiel. Seit sein Hund Kafka vor vielen Jahren gestorben ist, ist es einsam geworden um den alten Mann in der Zweizimmerwohnung im siebten Stock eines Mietshauses, in dem niemand etwas vom Nachbarn weiß oder wissen will. Knapp, dass man sich mürrisch Guten Tag sagt und im Lift angestrengt an einander vorbei schaut. Da kann man schon einmal auf den Gedanken kommen, statt mit einem Menschen mit diesem Lift zu reden. Und eben dass tut der alte Mann in Bengt Ahlfors’ Monodrama „Der Liftverweigerer“.

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Machtspiel auf der Kippe

Jule Gröning inszeniert im Kieler Schauspiel-Studio David Mamets „Oleanna”

Von Christoph Munk

Kiel. Man braucht die aktuell aufgeladene #meetoo-Debatte nicht, um die Brisanz von David Mamets „Oleanna“ zu begreifen. Der schon 1992 uraufgeführte Bühnen-Dialog zwischen einem Professor und seiner Studentin funktioniert als Machtspiel auf akademischen Gelände – mit unerwartetem Ergebnis. Das führt die junge Regisseurin Jule Gröning mit einer konzentrierten Inszenierung im Studio des Kieler Schauspiels vor und sichert sich damit zustimmenden Premierenbeifall.

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Kein Betroffenheitsdrama

Michael Wallner inszeniert Wajdi Mouawads „Vögel“ am Kieler Schauspielhaus

Von Hannes Hansen

Kiel. Die Akteure werden aus der Balance geraten, sie werden straucheln und stürzen, körperlich wie seelisch. Denn Till Kuhnerts Schauplatz für Michael Wallners Inszenierung von Majdi Mouawads Erfolgsstück „Vögel“, das in dieser Saison allein an sechzehn deutschen Bühnen gespielt wird, setzt von Beginn an ein sinnfälliges Zeichen.

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Der Sieg der Phantasie über die Realität

Christoph Munk inszeniert am Theater Die Komödianten die Geschichten um den Lügenbaron Münchhausen als Gerichtsfarce

Von Hannes Hansen

Kiel. Nein, nein, nein, ein Lügenbaron will er nicht sein, dieser Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen. Lügen habe er nie erzählt, behauptet er, bestenfalls ein paar Schnurren im Kreise seiner Freunde bei einem Glas Rotwein am heimatlichen Kamin seines Schlosses im braunschweigischen Bodenwerder. Und weil er um seinen guten Ruf  besorgt ist, lässt er nun, über zweihundert Jahre nach seinem Tod im Theater „Die Komödianten“ Klage vor Gericht erheben.

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Auf der Suche nach Erlösung

Malte Kreutzfeldt inszeniert „Früchte des Zorns“ am Kieler Schauspiel

Von Hannes Hansen

Kiel. Kritik am Raubtierkapitalismus, ein apokalyptisches Armageddon, der Auszug der Kinder Israels aus Ägypten oder die Suche nach dem versprochenen Paradies? John Steinbecks „Früchte des Zorns“ ist, darüber sind sich die meisten Interpreten einig, wohl von allem etwas.

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Nix da mit Rettung

Annette Pullen inszeniert am Kieler Schauspiel Goethes „Faust“

Von Hannes Hansen

Kiel. Bekanntermaßen verkündet Mephisto am Ende von Goethes „Faust“ mit dem Spruch „Sie ist gerichtet“ das Urteil über die Kindsmörderin Gretchen. Dann aber interveniert eine „Stimme von oben“ (wohl der liebe Gott oder einer seiner Erzengel): „Ist gerettet.“

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Do It Yourself als Arbeitsanweisung

„Hammer”: Liederabend-Spezialist Franz Wittenbrink entwickelt mit dem Kieler Schauspiel-Ensemble einen bunten Abend

Von Christoph Munk

Kiel. Der Heimwerkermarkt – das ist des Bürgers Heimatland. Selbermachen ohne fachliche Ahnung. Da kann jeder seinem Sparzwang folgen und gleichzeitig das männliche Ego  bedienen. Dieser Spur folgt „Hammer“, der neue Liederabend des Genre-Spezialisten Franz Wittenbrink im Kieler Schauspielhaus. Unter seiner Regie durfte sich das Ensemble singend, spielend, improvisierend einbringen –  mit spürbarer Lust an Theaterhandwerkerei und zum sichtlichen Vergnügen des applausfreudigen Publikums nach der Uraufführung.

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Blättern im Album eines Familienlebens

Dariush Yazdkhasti präsentiert „Mary Page Marlowe – Eine Frau“ im Kieler Schauspiel

Von Christoph Munk

Kiel. „Ich hatte ein gutes Leben. Von den Sachen, die ich machen wollte, hab ich viel gemacht.“ Als Mary Page Marlowe in dieser Überzeugung spricht, ist sie 69 Jahre alt und bereit zu sterben. Doch das Ende ihres Lebens markiert nicht das Finale des Theaterstücks, das ihren Namen im Titel führt. Viel mehr platziert sein Autor, der Amerikaner Tracy Letts, die Erkenntnis ins Zentrum einer fiktiven Frauenbiografie, die auf der Bühne keiner Chronologie folgt und doch eine gewisse Logik erkennen lässt. Dariusch Yazdkhasti erzählt sie in seiner Inszenierung für das Kieler Schauspiel unangestrengt und doch voll konzentrierter Spannung.

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